26.04.2018 – 01.05.2018: Libertad, Leticia, Panelas, Rio Jutai, Cuxiu Muni
Heute Morgen mussten wir früh aufstehen, die Bremen legte um 6.00 Uhr ab und nahm Kurs auf Pevas, einen kleiner Ort am Amazonas. Es war unser erster Ausflugstag auf dem Amazonas!
Nach der obligatorischen Zodiac-Einweisung gab uns der Expeditionsleiter die ersten Ziele der Reise vor und allgemeine wichtige Hinweise für die Ausflüge. Diese Hinweise waren nicht nur technischer, hygienischer, gesundheitlicher Art, sondern er legte auch großen Wert auf Richtlinien des Miteinanderumgehens mit den Mitpassagieren und des Verhaltens zu den Indianern. Diese wohnen in ganz kleinen Siedlungen imRegenwald/am Amazonas, umgesiedelt von den Kautschukbaronen, als kostenlose Arbeitskräfte versklavt und ausgerottet im 19.Jahrhundert ( Zu Beginn des 19.Jahrhunderts gab es schätzungsweise 50 000, heute leben noch knapp 6000). Wir besuchten das Dorf der Bora-Indianer und der Huitoto-Indianer. Sie empfingen uns mit Tänzen und boten ihre Waren an: Flechtwerk, Taschen, Ketten. Hapag Llyod unterstützt diese indigenen Dorfgemeinschaften. Auf der Hinreise gaben diese beiden Dörfer dem Kapitän eine Wunschliste ab, diese wurde in Iquitos in Gegenstände umgesetzt und heute abgegeben!
Die Menschen sind sehr freundlich und entgegenkommend. Urs und mich verwunderte es sehr, dass die Dorfbewohner akzeptieren, dass 150 Fremde durchs Dorf ziehen,Fotos machen und in „ihre Kochtöpfe“ schauen!
Und was für Fremde! Wir waren alle mit Gummistiefeln (gegen Schlamm und Grasmilben) langen Hosen, Hemden mit langen Ärmeln, Sonnenhüten, Sonnenbrillen, Rucksäcken ausgestattet und sie, sie liefen einfach mit einem Lendenshirt ohne Schuhe oder einfache Latschen herum. Sie zeigten uns ihre Tänze und bald wippten wir alle zu ihrer Musik mit.
Der Kontrast könnte nicht größer sein. Für die Fahrt zu den Dörfern war ein altes Fährschiff „ Amazonas Queen“ gemietet worden, das bei jeder Kurve seltsame Töne von sich gab und wir sicher waren, dass das Anlegen der Rettungswesten während der gesamten Fahrt bei diesem schwül-heißen Wetter notwendig war!
Nach über zwei Stunden erreichten wir wieder die Anlegestelle der Amazonas Queen und wir fuhren weiter nach Pevas, einem kleinen Ort direkt am Amazonas.
Da es dort außer einem bekannten Künstleratelier( Grippa) nichts zu sehen gab, beschlossen Urs und ich hier nicht auszusteigen und mit der Amazonas Queen direkt zur Bremen zu fahren.
An ihr hatten Dutzende von kleinen Booten festgemacht, die ihr e Fische, Obst und Gemüse verkaufen wollten.
Wir entspannten uns und ließen den Abend ruhig ausklingen, denn morgen geht es wieder früh aus den Betten: 5.30 Uhr!
18.00 Uhr Die Bremen nimmt Kurs auf La Libertad (Kolumbien)
27.04.2018
Unser Schiff erreichte La Libertad um 7.00 Uhr morgens. Um 7.45 Uhr wurde unsere Gruppe (blau) zur Zodiac Ausbootung aufgerufen. La Libertad ist ein Indianerdorf der Yagua Indianer! Es gab eine Tanzvorführung, einen Rundgang durch das Dorf mit Früchteverkostung. Auch hier treffen Gummistiefelleute auf Barfußmenschen, ich sage euch, einen größeren Kontrast kann man sich nicht vorstellen.
Nach unserer Rückkehr legte das Schiff um 11.00 Uhr ab und nahm Kurs auf Leticia (Kolumbien). Das Schiff ankerte genau auf dem Punkt im Amazonas, an dem sich die Länder Peru, Brasilien und Kolumbien treffen. Alle drei Länderbehörden kamen aufs Schiff für die Immigrationserlaubnis. Brasilien brachte die Presse mit, um jeden Verdacht auf eventuelle Korruptionsvorwürfe nicht aufkommen zu lassen. Die Zodiacs brachten uns in die kolumbianische Stadt Leticia, genau am Ufer unseres Ankerplatzes. Die Anlandestelle ist genau 5 Gehminuten vom Zentrum entfernt. Die Schiffsexperten hatten sich in der Stadt verteilt um uns ggf. Hinweise zur Orientierung zu geben.
Nach den stillen Urwalddörfern empfing uns eine quirlige laute Stadt mit buntem Leben, vielen Geschäften, Kneipen, Mofaverkehr. Urs und ich suchten ein Cambio um Brasilianische Reals zu wechseln. Hier im Dreiländereck werden alle drei Währungen akzeptiert. Die Wirtschaft blüht hier: Wichtiger Hafen im Dreiländereck, Fischfang, Holzfällerei, Tourismus und sicherlich Schmuggel. Es ist die südlichste Stadt Kolumbiens, jedoch nicht über das kolumbianische Straßennetz von Bogotà aus erreichbar.
Auf der linken Flussseite liegt Tabatinga, das zu Brasilien gehört. Beide Städte sind heute praktisch zusammengewachsen und man kann von der einen zur anderen Stadt ohne irgendeine Grenzkontrolle gehen – auch ohne Schengen.
Nach dem Geldwechseln bummelten wir beide durch die Stadt und suchten verzweifelt den angekündigten Seerosenteich mit den großen Amazonas Seerosen. In letzter Minute entdeckten wir ein winziges Becken in einem kleinen Park: Nicht der Rede wert.
Der Himmel wurde immer dunkler und wir beschlossen möglichst bald uns zurück zum Schiff fahren zu lassen um nicht in ein Tropengewitter zu gelangen: Wir erreichten die Bremen mit den ersten Tropfen!
Beim Nachtessen erfuhren wir, die Passagiere,die den Zodiac 10 Minuten später nahmen, wurden bis auf die Haut nass (jedoch ist es ein warmer Regen, aber wirklich heftig!)
Der Tag war noch nicht zu Ende: Um 18.30 Uhr lud Kapitän Roman Obrist alle Gäste in den Club zum Willkommens-Cocktail ein, stellte seine Offiziersmannschaft vor und anschließend ging es zum Abendessen ins Restaurant. Es wurde ein schöner Abend!
Die Bremen verließ Letitia um 18.00 Uhr in Richtung Panelas (Brasilien).
28.04.2018
Wir erreichten Panelas morgens um 8.30 Uhr. Um 9.10 Uhr wurde unsere Gruppe (blau) zu einer Rundfahrt mit den Zodiacs in Nebenarme des Amazonas. ausgebootet. Wir hielten Ausschau nach Flora und Fauna. Der Beginn „des Ausschauens“ ist schwer, man sieht nur grün….Mit der Zeit gewöhnen sich die Augen an die Umgebung und man bemerkt Papageien, spezielle Amazonasvögel, deren Name ich vergessen habe und eine Vielzahl von verschiedenen Pflanzen. Wir kurvten in kleinen Seitenkanälen und schossen Bilder auf Bilder. Nach über einer Stunde waren wir so in Schweiss gebadet, dass ich nichts mehr sah, das Wasser lief mir in die Brille und die Kleider klebten am Körper. Wir kehrten nach 1,5 Stunden zum Schiff zurück, direkt unter die Dusche. Dann ruhten wir uns in der Kabine aus.
Für den Nachmittag hatte ich mir vorgenommen endlich unseren Reisebericht fertig zu schreiben, da ich bisher kaum Zeit hatte. Es ist schwierig wegen des Internetanschlusses, also erstelle ich ihn ein paar Tage als Worddokument und versuche dann mehrere Texte zusammen in den Blog einzufügen. Mit den Bildern warte ich bis Manaus, vielleicht kommen wir dort an eine kostengünstige Internetverbindung!
Gegen 20.00 Uhr soll die Bremen im Rio Jutai ankommen und bis morgen Spätnachmittag dort ankern.
29.04.2018
Der Wecker trieb uns heute Morgen sehr früh aus den Federn: 5.30 Uhr am Sonntag! Hinzu kommt, dass wir über Nacht die Uhr um 1 Stunde vorstellen mussten. Die Stunden, die wir mit dem Flieger uhrzeitmäßig auf einen Schlag vorausgenommen hatten, werden jetzt langsam wieder rückgängig gemacht. Gruppe „Blau“ wurde um 6.30 Uhr ausgebootet. Wir tuckerten in den Regenwald. Es war von der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit und dem Licht her um diese Zeit sehr angenehm. Die Sonne war gerade aufgegangen und die Natur erwachte: Eine ganz besondere Stimmung.
Die Bremen ankert seit gestern im Rio Jutai, einem Schwarzwasserfluss:
Man unterscheidet: Terra firme: klass.immergrüner Tieflandregenwald; Campina Wald: besonders nährstoffarme Böden; Várzea Igapó: trop.immergrüne Überschwemmungswälder
Hier im Rio Jutai befinden wir uns also im Igopó Wald. Wir bewunderten Orchideen, die Epiphyten (Aufsitzer auf den Bäumen), die morbide Landschaft der unter Schwarzwasser stehenden Bäumen und Sträucher, Anise, grüne Papageien, Aras im Flug,Kormorane und viele, viele Schwalben. Kolibris schwirrten durch die Luft, so schnell, dass man ihnen kaum mit den Augen, geschweige mit dem Fotoapparat folgen konnte. Nach 90 Minuten kehrten wieder zum Schiff zurück und freuten uns auf ein ausgedehntes Frühstück, wie immer draußen über dem Wasser ,umgeben vom Igapó, dem Schwarzwasser-Regenwald!
Nach der Mittagspause ging es um 14.00 Uhr wieder aufs Wasser. Nun waren wir wirklich im Regenwald angekommen: Es regnete. Ich ließ meinen Fotoapparat zu Hause, wir hüllten uns in Regenponchos und genossen dennoch diese Atmosphäre der Stille, der besonderen „weichen“ Luft und des üppigen Grüns. Nach der Rückkehr ging es natürlich wieder unter die Dusche, das Z’Vieri wartete und um 17.00 Uhr ein Vortrag mit dem Thema „ Schatzkammer Amazonas – Rohstoffe statt Regenwald“. Im Anschluss gab es dann ein „Precap“: Eine Vorschau auf die nächsten Tage und natürlich um 19.00 Uhr das Abendessen mit der heutigen Thematik: Südamerikanisches Dinner. Ich freue mich schon drauf!!
Die Bremen hat um 16.30 Uhr den Rio Jutai verlassen mit Ziel: Uara. Im Augenblick fährt sie durch die Inferno-Passage, die nur bei Tageslicht befahren werden darf, da sie sehr eng ist.
30.04.2018
Das Abendessen war hervorragend und wir blieben etwas lange an unserem Tisch sitzen. Beide Gegebenheiten veranlassten mich zum Abschluss einen Brandy zu probieren, der mich schnell ins Bett brachte! Ausschlafen konnten wir auch heute Morgen nicht: Der Wecker rappelte um 6.00 Uhr: Eine Regenwaldwanderung stand auf dem Programm.
Das Schiff ankerte seit 3.00 Uhr in der Nacht vor einem Ort mit dem Namen Uará. Von hier aus sollte die Wanderung stattfinden. Die Vorbereitungen waren groß: Stiefel, wegen des Schlamms, lange Hosen und Bluse mit langen Ärmeln, wegen der Stechmücken, Kappe mit Nacken und Ohrenschutz, wegen der Sonne und der Stechmücken, Regenschutz. Dann erfolgte das Eincremen als Sonnenschutz und das Einsprühen als Insektenschutz. Nun wurde der kleine Rucksack übergezogen, mit Trinkwasserflaschen beladen, die Zodiakjacken übergezogen und dann gings los. Wir wurde in einer kleinen Gruppe übergesetzt und marschierten mit einem einheimischen Guide in den Wald im Gänseschritt. Wegen des heftigen Regens der vergangenen Tagen wateten wir in 30 cm hohem Schlamm, was einige nicht abhielt, mal kurz auszurutschen und die Stiefel zu verlieren!! Der Guide erklärte uns die Vegetation, wir wurden immer stiller und lauschten auf die Geräusche des Waldes. Es ergab sich eine sehr ruhige, ausgeglichene und friedliche Atmosphäre. Für mich war die Fotoausbeute nicht besonders groß, da meine Kamera immer wieder trübe anlief, ich gab es letztendlich auf und genoss einfach den Wald!
Die Bremen legte um 11.00 Uhr ab mit Ziel Cuxiu Muni. Dort werden wir heute Abend eine Nachtwanderung mit den Zodiacbooten unternehmen!
01.05.2018
Mit der Nachtfahrt wurde leider nichts! Eine Stunde vor unserer Ausbootung gab es ein mächtiges Tropengewitter mit immensem Niederschlag. Ich fürchtete mich vor den Blitzen auf dem Wasser und bei diesem Regen wäre meine Brille immer nass, so dass ich nichts hätte sehen können! Urs schloss sich mir an und wir blieben auf dem Schiff! Schade, die Rückkehrer erzählten von Krokodilen, Faultieren und einer unglaublichen Lautvielfalt im Regenwald! Während es in Afrika nur wenige Tier-und Insektenarten gibt, die aber in großer Anzahl, so gibt es hier eine Vielzahl von verschiedenen Tier-, Insekten und Vogelarten, diese jedoch jeweils in kleiner Anzahl. Bei der Größe des Regenwaldes ist es schwierig sie aufzustöbern! Aber heute Morgen ist mein größter Wunsch in Erfüllung gegangen: Bei unser Ausfahrt sahen wir gleich mehrere rosa Delphine, in einem Seitenarm des Amazonas, schwimmend und springend. Auch ihr „Gesicht“ war zu erkennen. Leider konnte ich sie nicht fotografieren: Es geht alles sehr schnell, meine Kamera ist zu langsam. Ich hole sie nun immer seltener mit, da es schöner ist, ohne des Drangs die richtige Fotoeinstellung zu suchen, die Natur einfach zu geniessen!
Die Bremen hat vor dem Mittagessen wieder die Anker gelichtet mit Kurs auf Badajós. Dort werden wir mit den Zodiacs eine Jute-Plantage besuchen! Zum Abschluss des Tages gibt es noch ein kleines Klavierkonzert mit Werken von Frédéric Chopin…….
Die Juta-Plantage wurde nicht angesteuert, sondern wir fuhren mit den Zodiacs in kleine Seitenkanäle, beobachteten ein Faultier, staunten über die riesigen Amazonas-Seerosen, lernten weitere Vogelarten kennen und genossen den sich neigenden Tag auf dem Rio Solimões wie die Brasilianer den Amazonas nennen.
Den Abend ließen wir mit Chopin ausklingen, von Meisterhand gespielt, jedoch bei nur kleiner Zuschauerzahl!
In der Nacht wird die Bremen Fahrt nach Manaus aufnehmen!


























































