2021.10 Kreuzfahrt Tag 2 Terceira

Die Hanseatic legte um 07.30 an der Pier von Praia do Vitoria / Terceira an. Einen ersten Blick auf die Insel bekamen wir beim Frühstück auf dem Lido, wo wir mit wunderschönem Wetter begrüßt wurden.

Terceira (3. Insel nach der Chronologie der Entdeckung) ist die drittgrößte Insel der Azoren. Sie gilt als landwirtschaftliches Zentrum der Azoren mit laut unseren einheimischen Führer,innen „glücklichen“ Kühen, die nie einen Stall kennengelernt haben, Weizenanbau, Fischerei und Weinanbau. Sehr lange hat man enormen Nutzen von den Handelsschiffen gezogen, die Terceira als Drehkreuz zwischen O-W und N-S Atlantikpassagen zogen. Der Proviant, den die Terceiraner lieferten, wurde mit Gold, Silber und Edelsteinen bezahlt. Das zog natürlich auch Piraten an, deshalb findet man auch sehr viele Befestigungen zum Schutz rund um die Insel.

Unser Anlegehafen befindet sich in der zweitgrößten Stadt Praia da Vitoria. Sie ist die älteste Stadt der Insel mit vielen azorischen Kennzeichen, wie Straßenbepflasterung, Gebäudearchitektur und bunt gemischten Lebens in den engen Straßen und Gassen. Daneben findet man erstaunlicherweise auch eine Menge Amerika-Flair z.B. in einer Anzahl von amerikanischen Imbissrestaurants, die man sonst auf den Azoren nicht findet. Des Rätsels Lösung: Im nahen Lajes ist eine amerikanische Militärbasis stationiert, die den Einheimischen Arbeitsplätze, aber auch „american life“ beschert.

Wir hätten gerne eine ausgedehnte Stadtwanderung durch Praia da Vitoria gemacht, jedoch rieten uns die Experten ab: Gerade am 15.10.21 fand zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder der «Touradas à Corda»(Stierkampf am Strick) statt, bei dem kräftige Männer den Stier am Seil durch die Straßen führen statt ihn zu töten. Die Stadt war voll von Zuschauern, Touristen, Stieren und auch tollkühnen Männern, die sich von den Stieren jagen ließen! Also organisierten wir uns um.

Urs machte die anspruchvolle Wanderung durch das wilde Hochland mit:

Terceira = die dritte Insel

Mit dem Bus vom Hafen, Praja da Vitoria, ging es über Felder und Wälder auf eine Höhe von ca. 600 MüM.

Am Rande des Reserva Florestal Parcial da Serra de S. Barbara e dos Misterios Negros starteten wir mit der Wanderung.

Ein elektronisches Zählgerät am Eingang des Parks bestimmte die Anzahl der Parkbesucher. Nun begann eine 31/2-stündige Wanderung auf nassem, unebenem und glitschigem Gelände über Stock und Stein, gebückt unter Ästen durch und über schroffes vulkanisches Gestein. Trittfest mußten die 10 Personen unserer Gruppe auf dieser Wanderung sein! Hinzu kam das sehr feuchte Klima, jedoch bei angenehmer Temperatur. Unser Ranger, Guide, Marco führte uns sicher. Wir wurden reichlich entschädigt durch eine märchenhafte Azorenurlandschaft, ja es war fast mystisch.

Diese Landschaft entstand im 18.Jhrdt durch einen Vulkanausbruch. Irgendwo im unübersichtlichen Gelände verloren wir plötzlich den hinteren Teil der Wandergruppe. Marco und der Schlußmann hatten ein Funkgerät dabei, das jedoch durch Funklöcher nicht überall funktionierte. Also machten wir an einem wunderschönen kleinen See halt, bis sich die zwei Wandergruppenteile wieder fanden.

Die Wanderung führte uns bergan durch Gräben, an Wasserläufen entlang durch den sehr nassen Wald. Weiter oben im Park wurde das Gelände trockener, wir kamen gut voran und erreichten unser erstes Ziel in guter Laune!

Es ging weiter zur Furnas do Enxofre. Hierbei handelt es sich um vulkanische Schlote, die Schwefelgase ausstoßen. Gelbe Schwefelkristalle, rötliche Eisen- und weißliche Aluminiumoxide werden abgelagert. Die Vegetation hat sich auf das spezielle Klima eingestellt. Es soll seltene Rote-Listen-Arten geben, eine Moos Art. Es gibt einheimische Lorbeerblätter Bäume. Ob sie auch vom vulkanischen Klima profitieren?

Ein sicherer, schöner Weg wird durch das Furnas Gelände geführt, wie alles was mit Tourismus zu tun hat auf den Azoren: In ausgezeichnetem Zustand und mit vielen Informationen, natürlich auch immer mit dem Hinweis, dass man sich in einem Naturreservat aufhält!

Nach ca. 15 Minuten Aufenthalt fuhren wir zurück nach Praja da Vitoria mit einem Zwischenhalt auf der Befestigung über der Stadt. Ein toller Ausblick über die Stadt und den Hafen eröffnete sich uns.

Ich entschied mich für den Stadtrundgang durch Angra do Heroismo, der Inselhauptstadt, die 1983 zum UNESCO-Welterbe wurde. Laut UNESCO-Welterbeliste wurde Angra do Heroismo aufgenommen, da die Stadt bei der Erforschung der Weltmeere im 15. und 16.Jhrdt ein bedeutendes Bindeglied zwischen den Kulturen Europas, Amerikas, Afrikas und Asiens spielte. Eine große Rolle spielte dabei die Entdeckerfamilie Corte Real. Man nimmt an, daß Gaspar Real und sein Bruder Miguel die ersten neuzeitlichen Europäer waren, die im 15.Jhrdt nordamerikanischen Boden betraten.

Auch der Zusatz „do Heroismo“ hat einen geschichtlichen Hintergrund. König Philipp II hob Anspruch auf die portugiesische Krone. Terceira unterstützte den portugiesischen Thronanwärter, der nach verlorener Schlacht nach Terceira floh. Er ernannte Anra zur Hauptstadt des portugiesischen Königreichs, was Spanien nicht hinnahm. Spanien landete mit 800 Soldaten in der Bucht bei São Sebastian. Doch die Truppen wurden mit über 1000 Stieren in die Flucht geschlagen. Das war einmal eine „andere“ Kriegsführung, aber wirkungsvoll. Seit dieser Zeit trägt laut unserer einheimischen Führerin die Stadt den Beinamen „do Heroismo“.

Nach einer halbstündigen Busfahrt von Praia nach Angra erreichten wir die Stadtmitte und waren von den Reizen der Stadt angetan. Wir erkundeten den Stadtpark,

die engen Gassen mit ihren wißen oder bunten Häusern,

den Hafen mit der Statue Vasco da Gamas, der hier ankerte um seinen schwerkranken Bruder zur Behandlung ins Kloster zu bringen,

der „blauen“ Kirche: Igreja Da Misericordia,

dem Gouverneurspalast „Palocio des Capitães Generalis“ mit seinem interessanten Museum.

Nach unser beider Rückkehr zum Schiff stand auch schon das Precap zum nächsten Tag an. Wolfgang erteilt uns einen Push-Kurs in Sachen Vulkanismus und Winfred gab uns eine Vorschau auf die Inselwelt von Pico. Aber dem nicht genug: Nach dem Abendessen um 21.30 Uhr gab es von Wolfgang noch einen Vortrag über “ Die Erde in Aktion – Plattentektonik“.

Ich muß gestehen, ich sah mir den Vortrag in unserer Kabine per TV-Übertragung an und die Augen fielen mir langsam zu. Das Ablegen des Schiffes um 24.00 Uhr bekamen wir beide nicht mehr mit!