2022.7

São Vincente/ Mindelo 27.10-28.10.22

Die Fahrt von Porto Novo nach Mindelo, der zweitgrössten Stadt der Kapverden auf der Insel São Vincente war kurz: Die Hanseatic legte um 17.30 Uhr in Porto Novo ab und erreichte um 20.00 Uhr nach 2.5 Stunden Mindelo auf São Vincente. Da wir bis 23.00 Uhr am nächsten Tag an der Pier von Mindelo festmachten, wollten wir eigentlich den Abend an Land verbringen! Aber wir waren von den Erlebnissen des Tages sehr müde und einfach «kaputt» und verschoben den Landgang auf den nächsten Tag. Das Alter macht sich bemerkbar!! Nach dem Precap und dem Nachtessen verzogen wir uns schnell in unsere Kabine!

Die Insel São Vincente mit Mindelo als Mittelpunkt, in der sich hauptsächlich das Inselleben abspielt, ist eine der kargsten und trockensten Inseln, die wir auf dieser Reise sahen. Landschaftlich wird die Insel von dem Berg Monte Verde (der früher einmal grün war, aber heute durch die langanhaltende Dürreperiode nur braun und grau erscheint) und zwei weiteren Gebirgszügen beherrscht.

Bis ins 19. Jh. diente der Naturhafen von Mindelo auf der damals unbewohnten Insel als Schlupfwinkel für Hochseepiraten. Mit der Dampfschifffahrt in den 1850er Jahren wurde der Hafen von den Engländern als wichtige Kohle Versorgungsstation für die Dampfschifffahrt ausgebaut. Für die Schifffahrtsrouten Europa-Südafrika-Indien-Australien und Afrika-Südamerika wurden in Mindelo Steinkohlelager errichtet, die jedoch Mitte des 20.Jahrhunderts durch die Umstellung der Schiffe auf Diesel-Betrieb an Bedeutung verloren. Daneben wurde in Mindelo 1885 eine Schaltstation für das erste transatlantische Telegraphenkabel errichtet, zu Beginn des 20.Jahrhunderts wurde sie weiter zu einer bedeutenden Kabelstation im Atlantik ausgebaut.

Heute gilt Mindelo als die kulturelle Hauptstadt der Kapverden: Bekannt für ihren farbenprächtigen Karneval, 2003 gewählt als Kulturhauptstadt der portugiesischen Länder, ausgestattet mit einer Reihe Museen, einem sehenswerteren Kunstgewerbehaus (Centro Nacional de Artesanato) und bekannt als Heimatstadt der im portugiesischen Kulturkreis sehr bekannten Sängerin Cesaria Evora.

Topfit und unternehmungslustig verliessen wir am nächsten Morgen das Schiff und spazierten mit unserem einheimischen Guide über das Hafengelände zum Kulturzentrum von Mindelo im ehemaligen Zollgebäude. Ausstellungen von Künstler.innen der Insel sowie eine historische Abteilung mit Wechselausstellungen liessen uns staunen und auch Ruhe vor dem Lärm des Hafens und der Stadt finden.

Wir setzten unseren Stadtrundgang zum Torre de Belem fort. Er sollte eine Nachbildung des gleichnamigen Turms in Lissabon werden, es blieb bei einer bescheidenen Nachbildung. 1918 wurde er als Symbol der Expansion des portugiesischen Weltreiches unter englischer Regie in Auftrag gegeben, 1937 als Hafenmeisterei in Betrieb genommen, 2006 und 2008 mit Unterstützung Portugals renoviert und erhielt heute als Museu do Porto Grande (als Meeresmuseum) eine neue Bedeutung.

An den Torre de Belem schliesst sich der Fischmarkt an. Dort herrschte ein grosser Trubel, ein Kommen und Gehen, Frauen mit riesigen Körben und Plastikschüsseln auf dem Kopf transportierten fangfrische Fische, andere verhandelten lautstark um den Preis. In Sekundenschnelle wurden Fische ausgenommen, geschuppt und ordentlich in die Auslage gelegt. Vom Hafen, der früher wegen seiner beeindruckenden Tiefe zu den bedeutendsten Häfen an der Westküste Afrikas zählte, brachten die Fischer immer neue Boxen mit grossen Fischen, meist Thunfische, Marlin und Meeresfrüchte aller Art.

Nach dem Fischmarkt steuerten wir den Afrikanischen Markt an! Hier konnten wir afrikanische Geschäftigkeit, Menschen aller Hautfarben, Waren vom afrikanischen Festland und vor allem auch Fröhlichkeit erleben. Urs und mir wurde es ganz «leicht ums Herz» und wir genossen einfach diese Lebensfreude.

Aber der afrikanische Markt war der Grund, dass wir uns von unserer Gruppe trennten und allein weiterzogen. Schon von Beginn unseres Ausfluges an waren uns fremdenfeindliche Äusserungen von einigen Mitgliedern aufgefallen. Wir ignorierten sie und wir schufen eine gewisse Distanz zu diesen Leuten. Der Gipfel dieser Kommentare kam im afrikanischen Markt als ein Mitfahrer zu seiner Frau sagte: „Schau mal, was die für Zeug fressen». Nun war der Topf voll und wir verabschiedeten uns!

Wir grüssten am Strand das Monumento a Diogo Afonso. Es wurde zu Ehren des Entdeckers der Insel zu Zeiten Salazars errichtet und scheint gestiefelten Schrittes in Richtung Monte Cara im Westen der Insel zu marschieren.

Nach eifriger Suche entdeckten wir die Kirche Nossa Senhora da Luz (leider verschlossen),

das Rathaus und zum Abschluss den Gemüsemarkt. Hier bekamen wir Appetit und beschlossen ein kleines Restaurant in der Stadtmitte zum «Z’Mittag» zu suchen. Tische unter Lauben und kleine Tappas mit kühlem Orangensaft, in der Schwüle Mindelos und bei fast 30 Grad war dies wie im Paradies.

Wir ruhten uns aus, stillten unseren Hunger und zogen nochmals los, um in der kolonialen Innenstadt in der Rua Lisbon zu bummeln. Hapag-Lloyd hatte in der Stadt einen Shuttlebus zur Pier eingerichtet. Wir mussten an der Haltestelle nicht lange warten, schnell ging es zum Schiff zurück und zu einer wohltuenden Dusche! Etwas ausruhen, Precap im HanseAtrium und ein kleines Abendessen mit anschliessender Einladung der Schiffsoffiziere am Pooldeck zu einem «after Dinner Drink». Die warme Nachtluft, der erlebnisreiche Tag, die interessanten Gespräche mit Mitfahrer.innen  und vielleicht auch die Cocktails hoben die Stimmung, wir schauten uns an und dachten beide: Schön, dass wir hier sind!