Die Columbus2
Fast vier Wochen sind wir auf diesem Schiff! Wie wir schon zu Beginn unserer Reise festgestellt haben, fühlten wir uns von Anfang an hier sehr wohl. Die Wege sind kurz, die Angestellten sehr freundlich, der Alltag sehr gut organisiert und man verspürt überhaupt keinen irgendwie aufkommenden Mangel oder Verlust zum Festland: Es gibt wirklich alles, was man braucht.
Um Euch am Schiffsleben zu beteiligen kommentiere ich den normalen Tagesablauf. Die Beschreibung des Schiffs lasse ich aus, da man dies sehr gut auf der Hapag Lloyd Homepage anschauen kann.
1. Der Morgen
Wir wachen meistens bei Sonnenaufgang auf (6.00 Uhr +) oder durch die Geräusche des zusteigenden Lotsen, wenn wir irgendwo „anlegen“. Da die Ein/Ausstiegsluke direkt unter unserer Kabine ist, hören wir, wenn ein Schiff neben uns anlegt oder versucht bei hohem Wellengang anzulegen. Wir haben schon erlebt, dass es vier oder fünf Versuche braucht, bis der Lotse an Bord ist.
Frühstücken kann man an drei verschiedenen Stellen. Ab 6.00 Uhr gibt es das Frühaufsteher Frühstück in der Observation Lounge. Diese befindet sich auf Deck 10, zwei Decks über der Brücke. Es gibt Brötchen / Kuchen und Kaffee / Tee / Fruchtsäfte. Meistens ist es sehr still dort, man gleitet mit einer Tasse Kaffee durch die Wellen und genießt den Sonnenaufgang und das Meer. Erreicht das Schiff morgens früh einen Hafen, so erlaubt die Observation Lounge das Anlegen ganz gemütlich zu beobachten.
Die zweite Möglichkeit ist ab 8.30 Uhr im Lido Café auf Deck 9. Dort sind wir beide meistens anzutreffen. Man sitzt achtern auf einer Terrasse im Freien, erlebt die morgendlichen noch angenehmen Temperaturen am Meer und füllt sich den Teller am Frühstückbuffet. Dieses lässt keine Wünsche offen: Von Obst, Müsli, Fisch, Säfte, Porridge, Schampus, verschiedene Eierspeisen, Käse, Wurst, Kuchen bis zu Gluten freier und veganer Kost gibt es alles. Auf der Terrasse ergeben sich auch interessante Gespräche mit Mitfahrer/innen und den Angestellten. Wir genießen es den Tag am Meer und in freier Luft zu beginnen. Ich halte immer noch Ausschau nach „meinem“ Wal oder „meinen“ Delphinen, jedoch bis jetzt ohne Erfolg. Manchmal stelle ich mir vor, einfach mal „Wal“ zu rufen und 300 Leute rennen in meine Richtung und bringen die Columbus in Schieflage. Urs zieht mich auf und glaubt, nach so einer Aktion müssten wir das Schiff spätestens in Singapur verlassen!!
Die dritte Möglichkeit zu frühstücken ist im Restaurant Albert Ballin auf Deck 5. Dies ist die vornehme Art ! Das Restaurant ist im „Plüschstil“ konzipiert, man redet nur leise und benimmt sich „vornehm“, was immer das auch heißen mag. Morgens trifft man dort meistens nur ältere Mitfahrer/innen (70+) an, die den Tag ruhig und genussvoll beginnen. Das Buffet ist identisch mit dem im Lido Café, jedoch kann man sich die Speisen auch an den Tisch servieren lassen.
So wie überall gibt es auch an Bord eine gewisse Hierarchie der Gäste. Die Suiten und Komfortkabinen liegen auf Deck 6 bis Deck 8. Also wird im Aufzug genau geschaut, welches Deck man drückt. Mit jeder höheren Nummer steigt das Ansehen! Die Spitze der Anerkennung ist jedoch, wenn ein neuer oder unbekannter Kellner dich mit deinem persönlichen Namen anredet: “Guten Morgen Herr Müller, geht’s Ihnen gut, haben Sie gut geschlafen, was darf ich Ihnen zum Frühstück bringen?“ Bei einer weiteren höheren Stufe weiß er sogar, dass du keinen Kaffee zum Frühstück trinkst, sondern English Breakfast-Tee mit zwei Teebeutel, 6 Minuten in der Teekanne gezogen. Da hast du die Spitze der Hierarchie erreicht und du kannst mit erhobenem Antlitz genussvoll dein Frühstück einnehmen (wird mir seit der 2. Etappe zugestanden, auch mit tiefer Etage!)
2. Was macht man nach dem Frühstück?
Legt das Schiff an, so wird der Tag durch Ausflüge oder Shoppingtouren ausgefüllt.
Heißt es „Entspannung auf See“, so gibt es viele Möglichkeiten den Tag zu verbringen. Drei Tätigkeiten sind für den Kreuzfahrer die Favoriten: 1. Essen, 2. Sonnenbaden, 3. Sport. Ich beginne mit letzterem. Auf der Columbus kann man sich in jeder Weise sportlich betätigen. Die Individualisten joggen, walken, bummeln….. jeden Morgen, Mittag, Abend auf Deck 10: 13 Runden sind 1 Seemeile. Daneben gibt es organisiert durch die Fitnessabteilung Frühsport im Fitnesszentrum, Rückentraining, BBP (Bauch, Beine, Po Training), Darts, Aquagymnastik im Pool, Body Balance (Yoga, Ti Chi, Pilates), Wirbelsäulengymnastik, Spinning. Urs und ich haben uns für MHA Bodytec entschieden.
Zunächst zieht man einen engen Gymnastikanzug an, dann wird man in eine nasse Zwangsjacke gesteckt, die verkabelt ist. Strom wird nun durch den Körper geleitet, dieser bringt die Fettkügelchen zum rotieren. Unterstützt wird das Verbrennen der Fettkügelchen durch bestimmte gymnastische Übungen. Ob es hilft, kann ich nicht sagen, ich glaube dran! Eine lustige sportliche Betätigung ist die Aquagymnastik. Im Pool versammeln sich 7-8 Damen (einen Mann habe ich noch nie gesehen), die unter Anleitung des Fitnesstrainers und unter Beobachtung aller Sonnenbadenen im Pool Gymnastik treiben. Dies geht manchmal sehr temperamentvoll zu, so dass bei gewissen Wasserverdrängungsgewichten und der Wellenlage unter dem Schiff, der Pool überschwappt… Die Kommentare der ZuschauerInnen können „vom Feinsten“ sein!
Sonnenbaden: Es gibt über zwei Deck genügend Sonnenliegen, aber nein, das wäre viel zu langweilig. Um Sonnenliegen muss man „kämpfen“. Es soll Kreuzfahrer der Columbus geben, die jeden Morgen um 4.00 Uhr aufstehen um ihre Sonnenliege mit Handtuch und persönlichem Gegenstand zu bestücken, dann aber erst nach 10.00 Uhr erscheinen, kurz sich bräunen lassen , ihr Programm an Bord durchziehen und abends erst wieder auf der Liege erscheinen. Sonst wäre es nicht zu erklären, dass sie seit Tahiti immer noch die gleiche Liege am gleichen Standort benutzen. Uns wundert auch, wie lange Menschen in der wirklich brütend heißen Sonne sich stundenlang rösten, abends krebsrot beim Abendessen sitzen, jammern und am nächsten Tag wieder in der prallen Sonne sich ausstrecken. Die Poolbar liefert den ganzen Tag über erfrischende Getränke und von Zeit zu Zeit gibt es auch am Nachmittag zum Kaffee Livemusik.
Neben dem Sport gibt es aber auch noch andere Möglichkeiten den Vormittag/den Tag zu verbringen. Diese werden am Vorabend immer in der Bordzeitung veröffentlicht, welche die Zimmermädchen beim „Abendaufräumen“ aufs Bett legen. Übrigens die Kabine wird zweimal am Tag aufgeräumt: morgens und abends. Super ist auch, dass man abends immer neue Handtücher und ein kleines Schokoleckerli bekommt.
An einem Seetag gibt es meist einen Vortrag über das Land oder die Stadt, die man in kürze besucht. Der Vortrag wird von Ethnologen oder Experten gehalten und kann sehr interessant sein.
Weiterhin gibt es Tanzkurse, Schminkkurse, Fotokurse, Shuffleboard, Bingo und eine große Bibliothek. Ich habe noch nie so viele Menschen mit einem Buch untern Arm herumlaufen gesehen.
Die Bibliothek ist gut bestückt, man nimmt sich ein Buch aus dem Regal, wenn man es fertig gelesen hat, stellt man es einfach zurück.
Man kann auch einfach nur faulenzen!
3. Das Mittagessen
Auch hier gibt es mehrere Möglichkeiten. Bei allen Möglichkeiten muss man jedoch darauf achten aus hygienischen Gründen nicht im Badeanzug zu Tisch zu gehen. Man kann sich das Mittagessen als Mehrgangmenü am Tisch servieren lassen ( Restaurant Ballin), man sich kann sich das Essen selbst am Buffet aussuchen (Lido Café) oder man lässt sich am Lido Grill Fisch oder Fleisch als BBQ mit Beilagen frisch grillen. Alle drei Möglichkeiten sind hervorragend. Wir nehmen meistens mittags nur eine Kleinigkeit (allerdings aufs Dessert verzichte ich nur sehr sehr ungern), da wir ja abends wieder essen gehen! Ist das Wetter schön, wird ein Mittagsschläfchen auf der Liege am Pool gemacht, bei schlechtem Wetter in der Kabine. Oft veranstaltet das Küchenteam ein „Sonderessen“ am Poll: BBQ mit exotischem Fleisch z.B. in Australien Krokodil, Känguru, Strauß und co oder es gibt fangfrischen Fisch z.B. Thunfisch, Sägefisch usw. Der Chefkoch, ein Österreicher, präsentiert diese Sonderessen fernsehreif. Übrigens ist er sehr unterhaltsam. Wir nahmen an einer Küchenbesichtigung teil, die sehr informativ und lustig war: An Bord gibt es 7 Küchen mit ungefähr 70 Köchen, wir sahen in die Töpfe, bekamen die Essenslogistik erklärt und die Vorschriften näher erläutert. Die Zahlen sprechen Bände: Auf der letzten Etappe Singapur – Shanghai wurden 396 Gäste mit 4.120 kg Fleisch, 1.650 kg Fisch, 13.000 kg Obst & Gemüse, 6.600 Eier, 3.149 Flaschen Wein und Champus, 2.272 l Bier, 232 kg Kaffee & Tee………
Zu erwähnen wäre auch, dass vor jedem Restaurant ein Handdesinfektionsapparat steht und alle, die essen gehen, sich jedes Mal die Hände desinfizieren.
4. Der Nachmittag
Das Nachmittagsprogramm auf der Columbus kann vielfältig sein: 1. Das Mittagessen muss verdaut werden, also erfolgt das Mittagschläfchen in der Kabine bis 16.00 Uhr, denn dann gibt es Kaffee und Kuchen 2. Der Bräunungsakt wird an Deck fortgesetzt
3. Das Sportprogramm wird wieder oder erst jetzt gestartet und der Fitnessraum ist probevoll, da man Gewissensbisse wegen des Essens hat 4. Man tut etwas für die Bildung, das Tanzbein, das Hobby in verschiedenen Workshops. 16.00 Uhr ist Teatime/Kaffeetime am Pool mit Livemusik bis 17.00 Uhr. Man trifft sich, tauscht die neuestens Klatschgeschichten aus und rutscht langsam in die Zeit des Apéros, des Sonnenuntergangs hinein. Gegen 18.00 Uhr beginnt die Deck-Crew die Sonnenschirme und Badetücher einzusammeln. Da wir in Äquatornähe sind, kommt die Sonne langsam zur Ruhe, der Himmel verfärbt sich und ab 19.00 Uhr ist die Sonne verschwunden. Die Passagiere ebenfalls. In den Kabinen rauschen die Duschen, werden die Schminkutensilien hervorgenommen, die Abendgarderobe gewählt und die Frage lang und heiß diskutiert: Wohin gehen wir heute Abend essen? Mich wundert’s jedes Mal am Abend, am Morgen, am Mittag, wie viel und wie oft man essen kann. Ich glaube in der Mathematik gibt es eine Zahl, die unendlich ist. Sie passt auf die Gleichung E(ssen):K(reuzfahrtpassagier)= u(nendlich)! Liegt das Schiff im Hafen, so ist das Programm für die an Bord gebliebenen das gleiche, die anderen schwirren aus und kommen eine halbe Stunde vor Ablegen wieder zurück… vielleicht mit einem hungrigen Magen!
5. Der Abend
Der Abend ist für den Kreuzfahrer/die Kreuzfahrerin die wichtigste Tageszeit. Am Abend kann man 1. zeigen was man an Bräune während des Tages erworben hat,
2. welche Garderobe und Schmuck man besitzt, 3. wie groß das soziale Netzwerk an Bord ist , 4. welche überwältigenden Ausflüge man an diesem Tag gemacht hat und 5. welche neuen Klatschgeschichten es gibt. Begonnen wird der Abend meist mit einem Apéro an irgendeiner der vier Bars: Observation Lounge, Martini, Pool Bar oder Ballin Bar. Anschließend meist zwischen 19.30 Uhr und 20.00 Uhr begibt , nein schreitet man zu Tisch : sei es im Ballin Restaurant, im Lido mit Meerblick draußen, Polo Grill oder Toskana. Auf der Columbus gibt es keine feste Tischordnung, man sucht sich in den Restaurants den Tisch aus. Will man zu zweit allein oder in größerer Gemeinschaft essen und dabei neue Mitkreuzfahrer kennen lernen , bleibt jedem überlassen. Ein besonderer Tisch im Ballin Restaurant ist der der Alleinreisenden. Vom Schiff organisiert unter dem Motto „Allein is(s)t man nicht gern“ können hier Singles neue Kontakte finden. Natürlich wird dann später von den schon länger Reisenden darauf geachtet, ob sich neue Verbindungen angebahnt haben oder ob eine Etappe mit neuen Alleinreisenden Abhilfe schafft. Im Lido wird das Abendessen als Buffet präsentiert in allen anderen Restaurants als eine Abfolge mehrerer Gänge. Man wird von den Angestellten regelrecht verwöhnt, „getüttelt“, so dass ich befürchte, wenn wir wieder zu Hause sind, werden wir uns am Tisch groß anschauen und vergebens auf den nächsten Gang warten. Zu erwähnen sei noch, dass die Garderobe „sportlich-elegant“ angesagt ist. Im Polo Grill und Toskana jedoch „nur“ elegant d.h. für den Herrn Krawatte und Sakko!
Nach dem Essen geht es zum Digestif wieder an die Bar. Die Stimmung steigt kontinuierlich an bis um 21.30 Uhr das „Kulturprogramm“ in der Lounge, Deck 5, beginnt. Ich muss gestehen manche lassen aus den unterschiedlichsten Gründen diesen Punkt aus und nisten sich an einer Bar ein oder verschwinden in ihre Kabine! Als Kulturprogramm hatten wir unterschiedliche Darbietungen von Klassischer Musik bis Rockmusik, von Theater bis Klamauk, von literarischem Vortrag bis Entertainment-Gerede. Ein besonderes Highlight sind die Darbietungen des Crew-Chores. Tosender Beifall erwartet immer die jungen Damen und Herren , die morgens noch unsere Betten machen, den Pool reinigen usw. und abends auf der Bühne stehen. Man fühlt sich als Gemeinschaft und drückt dies auch lautstark aus. Nach dem Kulturprogramm gibt es natürlich noch viele Möglichkeiten die Nacht zu verbringen… da könnt ihr eurer Fantasie freien Lauf lassen! Übrigens die Bars haben „open end“ geöffnet.
Tschüss Columbus 2
Jetzt sind es nur noch wenige Tage bis zum Ende unserer Reise mit der Columbus. Es gäbe noch über viele Geschichten, Eindrücke und Erfahrungen zu schreiben. Ich werde Euch mündlich davon erzählen oder posthum darüber schreiben, wenn mich die Sehnsucht packt. Für uns beide war es die angenehmste Weise so viele Gegenden der Welt, so viele nette und/oder seltsame Leute kennen zu lernen, so viele Erfahrungen z.B. mit Taxifahrern, Händlern, Bankomaten zu machen und jeden Abend uns anzusehen und festzustellen „Heute war ein schöner Tag“! Wir haben diese Reise (trotz meiner Seekrankheit, die lernte ich in den Griff zu bekommen) genossen und sind traurig, dass es die Columbus 2 nach Ostern 2014 so nicht mehr geben wird!
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