2021.13 Kreuzfahrt Tag 5

Faial

17-10-2021 – 18-10-2021

Die Besiedlung Faials erfolgte im 15.Jhrdt durch den Flamen Josse van Hurtere, der gute Beziehungen zum portugiesischen Königshaus unterhielt. Er konnte während des 100jährigen Krieges mehr als 1000 Landleute ermutigen mit ihm nach Faial auszuwandern. An einigen Stellen findet man immer noch Windmühlen, die aus dieser Zeit stammen.

Auf der Insel, deren Form mich an das Saarland erinnerte, leben 15000 Menschen. Horta, den Hauptort, erlebten wir als quiriligen, geschäftigen und reich mit herrschaftlichen Villen versehenen Ort. Er war immer ein Ort für „Fremde“.

Nach den Flamen kamen im 18.Jhrdt die amerikanischen Walfänger, die hier ihre Proviantlager auffüllten und junge Männer für den Walfang rekrutierten. Sie errichteten im Zeitalter der Industrialisierung Fabriken zur Walverarbeitung und schufen zahlreiche Arbeitsplätze.

Der Übergang vom 19. zum 20. Jhrdt brachte eine andere Gruppe von „Fremden“ auf die Insel: Ingenieure vom Kontinent. Die Telegraphenkabel durch den Atlantik führten über Horta. Hier gab es Relais und Verstärkerstellen. Alle großen Telegraphengesellschaften hatten hier einen Stützpunkt.

Anfang des 20.Jhrdts landeten Wasserflugzeuge auf halbem Weg über den Atlantik in der Bucht um aufzutanken und während des Zweiten Weltkriegs war der Hafen ein praktischer Stützpunkt der Alliierten.

Heute ist Horta die Zwischenstation für Segler, die den Atlantik überqueren wollen oder haben. Sie nehmen Proviant auf oder lassen Reparaturen durchführen. Laut Führer legen jährlich 1700 Segler und Kreuzfahrer hier an! Allerdings hat die Corona-Epedemie zu einem sehr großen Rückgang geführt. Von Mai 2019 bis Oktober 2021 gab es kein einziges Kreuzfahrtschiff, das in Horta anlegte. Segler und Kreuzfahrer verewigen sich an der Kaimauer und besuchen das berühmte Peter Café Sport um einen Gin Tonic zu trinken. Schon an Bord der Hanseatic war Peters Sport Café ein beliebtes Gesprächsthema. Die Segler unter den Kreuzfahrern sprachen voll Bewunderung von dieser „Kneipe in Horta“. Es war spannend in diesem Café zu sitzen und sich vorzustellen, wer sich hier schon alles vor uns getroffen hat.

Ich muss sagen, der Gin Tonic hat nicht anders geschmeckt als auf der Hanseatic, aber natürlich das Flair der Seglerwelt hat an Bord gefehlt!

Am Hafen findet man auch eine kleine Gedenktafel für den amerikanischen Admiral Albert C.Read, der als erster mit seiner Crew den Atlantik in der NC-4 (Wasserflugzeug) überflog und hier vor Lissabon das letzte Mal zwischenlandete.

Im ersten Stock des Cafés befindet sich eine große Scrimshaw-Sammlung, es sind gravierte und verzierte Walfischzähne, die laut Führer große Bekanntheit durch John F. Kennedy erhielten. Er war ein begeisterter Sammler dieser Walfischzähne.

Spaziert man durch Horta so fallen neue moderne Häuser, alte gepflegte Villen, aber auch sehr zerfallene Häuser auf.

Ein Grund für die zerfallenen Häuser war sicherlich das starke Erdbeben, das im Juli 1998 Faial traf. Es gab Tote, Verletzte, ca.500 Häuser stürzten ein und über 1000 Menschen wurden obdachlos. Der Wiederaufbau ging mit europischer Unterstützung verhältnismäßig schnell, jedoch Zerstörungen sind noch immer allgegenwärtig.

In der Altstadt besonders hervorzuheben ist die Matriz São Salvador, die Kirche des großen Jesuitenklosters mit ihren wunderschönen Kacheln und dem verspielten Inselbarock.

Ruhe und Entspannung bieten mehrere Parkanlagen, die über den Ort verteilt sind.

Auf demRückweg zum Schiff begleiteten uns Kachelwandbilder und Straßenschilder mit biblischen Bezeichnungen!

Ein besonderes Erlebnis für Urs war die Wanderung an der Caldeira. Mit dem Bus fuhren die Wanderer bis zum Rand der Caldeira, dem Ausgangspunkt.

Der Vulkankegel befindet sich im menschenleere Innere der Insel und weist einen Durchmesser von ungefähr 2 km auf. Der Boden des Kessels liegt ungefähr 400 m tiefer. In der Mitte des Grades befinden sich zwei kleine See, die am Tag der Wanderung ganz mythisch wirkten!

Die Wanderung auf dem Kraterrand um die Caldeira war sehr anspruchsvoll, da der Hang neben dem Weg zur Innenseite sehr steil abfiel. Der Blick in die 400m Tiefe war beeindruckend. Besonders auf den ersten 1000 m gab es steile Anstiege auf rutschigen Pfaden. Deshalb waren sehr gute Trittsicherheit, eine gewisse Kondition und Schwindelfreiheit bei dieser Wanderung Voraussetzung.

Trotz aller Mühen und Plagen beinhaltet diese Wanderung unvergessliche Erinnerungen an Natur, die Macht der Naturgewalten und die Ausblicke auf die Insel und den Atlantik.

Ein Bus wartete am Ende der Wanderung und brachte die Gruppe zum Schiff zurück.

Am Abend vor dem Abendessen gaben die Experten uns Informationen für unser nächstes Reiseziel: Lajes das Flores. Um 20.00 Uhr verließ die Hanseatic Horta in Richtung Lajes das Flores.

Das Abendessen war etwas zu „reichlich“ und so gab es zur Verdauung, nein, keinen Digestif, sondern einen Vortrag unserer Expertin für Biologie über Flora & Fauna der Azoren.

Es war interessant zu erfahren, wie diese karge Vulkanlandschaft mithilfe von mikroskopisch kleinen Fallschirmen, Wasser- und Vogelflößen von Pflanzen und Tieren erobert wurde. Wir lauschten den Klängen des Gelbschnabelsturmtauchers, dessen Stimme leicht mit der Donald Ducks zu verwechseln war. Ich muss sagen, zu dieser Stunde war es für mich etwas schwierig den Namen des Vogels mehrere Male zu wiederholen: Gelbschnabelturmtaucher……. Wir amüsierten uns während wir weitere Vogelgesänge der hiesigen Vögel kennenlernten. Der Mäusebussard miaut wie eine Katze und der endemische Priolo klingt, wie eine kleine Plappertante beim Kaffeeklatsch.

Die Schaukelbewegungen des Schiffes und der ereignisreiche Tag ließen die Augen schnell zufallen!