Vila do Maio/Maio
Praia/Santiago 30.-31.11.2022

Die Insel Maio, auch «die Einsame» genannt, liegt südlich von Boa Vista und ist bekannt für wunderschöne einsame Strände. Ein kilometerlanger weisser Strand zieht sich von Vila do Maio über das Örtchen Morro bis nach Calheta. Für Maio hatten Urs und ich kein Ausflugsprogramm vorgesehen, wir wollten einen Strandtag geniessen.
Von 10.30-12.30 hatte die Crew am Strand eine Band mit Live-Musik in der Strandbar «Horace» organisiert. Mit einem permanenten Zodiac-Shuttle konnte man an Land gebracht werden und den Tag am Atlantik verbringen. Wir suchten uns etwas abseits der Strandbar ein Plätzchen und liessen Atlantik, Sonne und das Leben am Strand auf uns wirken. Es war sehr geruhsam und das Rauschen des Meeres liess uns etwas einnicken.



Geweckt wurden wir durch laute Schreie und plötzliches Gerenne zum Meer. Eine Mitreisende war in grosse Gefahr geraten. Der Wellengang des Meeres war stärker und höher geworden, sie verliess das Meer, aber eine von hinten kommende Welle riss sie nach unten, sie versank im weichen Sand des Strandes, konnte sich nicht schnell genug befreien und schon kam eine Welle nach der anderen und zog sie wieder weiter ins Meer. Mehrere Männer stürmten ins Wasser und zogen sie nach etlichen Anstrengungen wieder auf den trocknen Strand. Ende gut alles gut!
Wir verliessen den Strand und begaben uns noch zu einer kleinen Besichtigungsrunde in die kleine beschauliche Hauptstadt der Insel, die direkt am Meer liegt. Eine weisse Kirche im portugiesischen Kolonialstil säumt den zentralen Platz,

kleinere Geschäfte befinden sich entlang der Strasse sowie eine kleine Markthalle in einer Seitenstrasse. Wir mussten uns beeilen, denn um 17.30 Uhr fuhr der letzte Zodiac zum Schiff, die Hanseatic wollte um 18.00 Uhr die Anker lichten.
Der Abend verlief auch sehr ruhig: Nach dem üblichen Pre-und Recap und dem Abendessen, verbrachten wir den Abend auf Deck 8 in der warmen Abendatmosphäre und verfolgten gegen 22.00 Uhr das Anlegen des Schiffes in Praia/ Santiago.

Praia
Schon um 9.00 Uhr morgens startete unserer Ausflugsprogramm für Praia/Santiago: Also hiess es früh aufstehen und beim Frühstück nicht bummeln! Wir waren bereit für einen grösseren Ausflug über 8 Stunden: Santiago kompakt: der Ursprung der Kapverden.
Die Insel Santiago hat massgeblich die Geschichte der Kapverdischen Inseln geprägt! Mehr als die Hälfte der gesamten kapverdischen Inselbewohner lebt auf Santiago. Auch geschichtlich ist es die bedeutendste. Über die ersten 250 Jahre, in der Zeit der Entstehung eines Gemeinwesens und spezieller Kultur, in der Zeit des Sklavenhandels und einer von Sklaven betriebenen Landwirtschaft war nur Santiago ständig besiedelt. Kulturell ist Santiago sehr stark von Afrika geprägt.

Dies zeigte sich besonders in den Markthallen des afrikanischen Marktes: Das bunte Gedränge, die verführerischen Obst-und Gemüseauslagen, das Handeln der Marktfrauen und der in allen Schattierungen tönende Lärm.




Praia, die Hauptstadt der Kapverden, zeigte im Unterschied zu den anderen Orten der Kapverden ein typisches grossstädtisches Leben. Es ist nicht nur das staatliche und ökonomische Zentrum des Inselstaates, sondern auch das kulturelle: Die einzige Universität der Kapverden befindet sich auf Santiago. Unser Guide zeigte uns stolz neben der älteren eine neue Universität, gebaut von China, auf der in «Mandarin» unterrichtet wird!




Wir starteten an der Pier von Praia und besuchten zunächst das Viertel Achada de Santo António, etwas höher gelegen, mit vielen Restaurants, Bars, Nachtclubs. Dann ging es zum Mercado Sucupira im Viertel Vareza mit vielen Gängen wie in einem Labyrinth, wo man Kleider, afrikanische Stoffe, Haushaltgeräte, Kunsthandwerk (leider vieles «made in China») und vieles mehr kaufen konnte.



Der nächste Stopp war die Cidade da Ribeira Grande, die 40m über dem Meer liegt und als alte Hauptstadt, seit 2009 Weltkulturerbe ist. Eine Stunde bummelten wir um den Praca Albuquerque, durch kleine Strassen mit kolonialen Häusern, Gerichts- und Hochschulgebäude, der Kirche Nossa Senhora da Graça, dem Präsidentenpalast und Verwaltungsgebäuden. Hinter dem Präsidentenpalast konnten wir eine Exerzierübung der Palastwache zufällig mitansehen, was unserer Männerwelt nur ein müdes Lächeln hervorlockte. Kommentar einiger Mitreisender: «Kindergarten».





Die Stadt wird von einer mächtigen Festung überragt, der Fortalezza Real de Sāo Felipe aus der portugiesischen Kolonialzeit. Von hier hatte man einen wunderschönen Blick aufs Meer.







Der nächste Stopp war die Cidade Velha, «die alte Stadt». Für Urs und mich war es das Highlight der ganzen Tour. Hier landeten die ersten Siedler und Entdecker, hier fand der berühmt berüchtigte Sklavenmarkt (man erwähnte die Zahl 16000 in einem Jahr?) statt, wo der Pranger auf dem kleinen Marktplatz noch heute Zeugnis ablegt. Von hier konnten aber auch Sklaven in die Berge fliehen und neue kleine Orte in den Bergen gründen.





Die romantischen kleinen Häuser der Rua Banana wurden im Rahmen eines UNESCO-Projekts originaltreu wieder aufgebaut. Die Rolle der Kirche ist in diesem Zusammenhang zwielichtig: Auf der einen Seite erlaubte sie den Sklavenhandel, auf der anderen Seite sorgte sie auf der Insel für die Errichtung von Schulen für alle Bevölkerungsschichten und trug so zu Fortschritt und zur Kultivierung in allen Bereichen der Insel bei!

Vor der kleinen Kirche gibt es ein Grab mit einer besonderen Geschichte: In diesem Grab ruhen zwei Geistliche (zwei Brüder) der Pfarrei. Warum haben sie ihr Grab nicht in der Kirche oder auf dem angrenzenden Friedhof? Der eine beging Selbstmord (Todsünde in der kath.Kirche), der andere nahm den Spruch der Bibel zu ernst: „Wachset und mehret euch», er war Vater von 40 Kindern unterschiedlicher Mütter seiner Pfarrei.
Per Kleinbus ging es dann ins Gebirge oder besser sollte es ins Gebirge gehen. Unser Bus machte auf halber Strecke am Berg matt und rollte plötzlich rückwärts. Das Geschrei im Bus war gross und wir sahen uns schon als Schlagzeile in der Presse… Mit grosser Mühe brachte der Fahrer das Auto zum Stehen. Wir stiegen fluchtartig aus dem Bus und warteten, wie es nun weitergehen würde. Aber wie so oft in Afrika, Hilfe kommt schnell! Nach ungefähr 30 Minuten kam ein neuer Bus und wir konnten die Fahrt zum Berghotel Quinta da Montanha fortsetzen. Dort wartete ein typisch kapverdisches Mittagessen auf uns!






Nach dem köstlichen Essen begann eine etwa 2stündige Landschaftsfahrt ins Inselinnere mit grossartigen Ausblicken auf die Bergkulisse und entlang der Ostküste Santiagos.







Zum Apéro am Abend waren wir wieder in Praia an der Pier und liessen den Abend nach so vielen Eindrücken ruhig ausklingen!