22.10.-23.10.2021
Madeira
Für die Fahrt von Santa Maria bis Madeira benötigte die Hanseatic mehr als einen Tag. Der 22.10. war also ein Seetag. In der Nacht vom 22.10. auf den 23.10. wurden die Borduhren eine Stunde vorgestellt, dh. die Nacht wurde für uns kürzer! Aber was bedeutete das schon, wenn der nächste Tag ein Seetag ist. Wir genossen diesen Tag: Spätes Frühstück, Vorträge im HanseArtrium über den Walfang von Wilfred Steffen und Klimawandel von Rosalie Steffen, Relaxen am Pool Deck und Sichtung des Fotomaterials.Am Abend gab es ein Portugiesisches Apéro mit verschiedenen Madeira Weinen. Das Besondere war das Prozedere des Öffnes der Flaschen: Die Flasche wurde fast eisgekühlt und dann wurde eine heiße Eisenzange um den Flaschenhals gelegt. An dieser Stelle brach der Hals haarscharf ab.
Langsam mußten wir uns an den Gedanken gewöhnen, dass das Abschiednehmen von der Hanseatic Inspiration näher kam. Sie ist ein sehr schönes modernes Schiff, das alle Annehmlichkeiten mit modernster Technik verbindet. Die Crew ist sehr freundlich und äußerst höflich und hilfsbereit. Das Essen in allen drei Restaurants ist hervorragend. Was uns gefehlt hat, ist die warme Atmosphäre, die wir auf der „alten“ Columbus 2 und der Bremen erlebten, die Hanseatic Atmosphäre ist „kühl“ und distanziert. Vielleicht auch Corona bedingt fehlten die schönen Abende mit anderen Kreuzfahrern am Deck oder an der Bar und das kollegiale Miteinander von Angestellten und Gästen! Auch das Ablegen des Schiffes wurde kaum beachtet. Die meisten zogen sich nach dem Abendessen in ihre Kabinen zurück, die groß und vorzüglich ausgestattet sind, warum dann an Deck gehen? Wir fragten uns, was uns beiden wichtiger war/ist: Moderne Perfektion eines Schiffes oder ein Schiff, dem man das Alter ansieht, aber eine wohltuende Atmosphäre hat? Wir waren uns einig: Nummer 2!
Als wir am anderen Tag die Augen öffneten, staunten wir. Eine Lichterkette zog vor unseren Augen vorbei. Wir waren an die wenigen Lichter der Azoreninseln gewöhnt, nun hat uns die Zivilisation wieder!

Die Hanseatic legte noch bei Dunkelheit an der Pier von Funchal /Madeira an. Beim Frühstück am Lido stellten wir sehr schnell fest, dass wir auf Funchal nicht die einzigen Gäste waren sowie auf den Azoreninseln. Neben uns lag die Queen Elizabeth mit über 2000 Passagieren.
Dass die Besucher aus Großbritannien dominieren, stellten wir später in den Straßen von Funchal fest. Traditionell verfügt Madeira über eine enge Verbindung zu England und zur englischen Wirtschaft.Viele englische Händler ließen sich auf der Insel nieder. Dies hat auch Auswirkungen auf die Lebensweise der Madeirer! Mit einer der bekanntesten Besucher war Churchill, der in Funchal und Câmara de Lobos malte. Er stieg im 1891 eröffneten Luxushotel Reid’s Palace ab, das auch heute noch eines der Leading Hotels of the World ist.
Mit einer der bekanntesten Bewohner Madeiras ist der Fußballspieler Ronaldo. Man kann ihn gar nicht verpassen: Direkt am Hafen steht eine riesige Statue und jeder Guide fährt mit den Touristen an seinem Haus in Funchal vorbei. Kommentar unseres Guide: „Er kommt nicht mehr so oft nach Funchal, im Haus wohnt sein Bruder“!
Da unser Schiff bis zum Abend in Funchal angelegte, hatten wir uns ein Vormittagsprogramm und ein Nachmittagsprogramm organisiert. Am Vormittag hatten wir eine Fahrt mit einem Geländewagen ins bergische Hinterland Madeiras gebucht.

Im Geländewagen waren außer dem Guide und Fahrer noch ein Kreuzfahrerpärchen. Der Fahrer, ein sehr aufgeschlossener und lustiger Guide, erzählte uns vom Alltagsleben auf Madeira, gerade auch zu Corona Zeit, von Touristenführungen und natürlich auch über die Geschichte, Fauna und Flora.
Zuerst ging es nach Câmara de Lobos, einem malerischen Fischerort, der durch Winston Churchill bekannt wurde. Zu seiner Zeit war dieses Fischerdorf sicherlich sehr idyllisch, heute hat der Touristenrummel es fest im Griff. Uns fiel nach den Azoren der Rummel besonders auf. Und so blieben wir nicht lange, wir schlenderten durch den Ortskern und kehrten dann schnell zum Auto zurück!






Gleich hinter Camara befindet sich das berühmte Weinbaugebiet des „Madeiras“ und noch etwas weiter die steilste Klippe der Insel. Sie soll die zweithöchste der Welt sein (?)!




Weiter gings nun mit dem Geländewagen ins bergige Hinterland auf Offroad Wegen hinauf zum Plateau Jardim da Serra. Hier herrschte wieder die Ruhe und die Inselgelassenheit, die wir auf den Azoren so schätzen gelernt hatten. Unser Guide erklärte uns Geographie, Botanik und vor allem die Flora dieses Inselteiles. Er wies uns auch auf die Brandgefahr des Eukalyptusbaumes hin, da sein Öl sehr leicht entflammbar ist. Entsteht ein Brand, wird er schnell zu einem Inferno, wobei alles in der nahen und weiten Umgebung Opfer der Flammen wird, außer dem Eukalyptusbaum. Madeira erlebte solche schrecklichen Brände des Öfteren!











Wir verließen die einsame Bergwelt langsam und bekamen zum Abschluss unserer Fahrt in einem kleinem Bergdorf in einer winzigen Kneipe das „Nationalgetränk“ der Einheimischen: Poncha! Die Wirtin zeigte uns wie es zusammengestellt wird. Es schmeckte hervorragend und die Fahrt ins Tal erfolgte im Anschluss mit Schwung! Zu Hause habe ich es schon des öfteren gemixt und es hat auch den „Kontinentlern“ gemundet! Hier das Rezept für 1 Person (freie Entscheidung!)
2 cl Orangensaft, frisch gepresst
1 cl Zitronensaft, frisch gepresst
2 cl Honig
2 cl Cachaça (weißer Rum)
Alles zusammen kräftig rühren: auf Madeira verwendet man einen speziellen Holzstab
und dann: Saúde!



Den Nachmittag hatten wir uns für Funchal aufgehoben. Wir schlenderten durch die Innenstadt, besuchten die Festa da Flor. Auf dem Blumenmarkt kann man die unzähligen und dekorativen Gattungen an Blüten von Madeira bewundern. Besonders hübsch sind die Botschafterinnen des Blumenfestes!





Wir fanden auch hier in den Straßen die blau-weißen Kacheln, gute Restaurants, aber im Gegensatz zu den Azoren eine Menge Touristen!






Den Abend verbrachten wir bei einem guten Abendessen mit einem anderen Kreuzfahrerpärchen in einem Gartenlokal in der Nähe des Hafens, denn um 21.00 Uhr war Landgangsende!

Die Hanseatic verließ um 22.00 Uhr Madeira in Richtung Teneriffa, eine Distanz von ungefähr 260 Seemeilen!


