2021.4 Wale-Watching

09-10-2021

Für heute Morgen hatten wir uns etwas ganz Besonderes vorgenommen: Walbeobachtung!

Vorsorglich hatte ich mir am Vortag ein Medikament gegen Seekrankheit besorgt. Dabei erlebte ich wie warmherzig die Atmosphäre der Insel ist. Vor der Apotheke gab es eine lange Schlange, da man wegen Corona nur einzeln die Apotheke betreten durfte. Man zog eine Nummer und wartete. Als nach 10 Minuten die Schlange sich nicht weiterbewegte, ging ich etwas vor, um zu schauen, warum es diesen Stillstand gab. Es dauerte wieder 10 Minuten und die gleiche ältere Frau stand immer noch an der Theke und redete mit dem Apotheker. Alle andere warteten geduldig! Plötzlich kam eine Frau, die zu Anfang der Schlange stand auf mich zu und wollte mit mir die Nummer tauschen. Ich lehnte freundlich ab, bedankte mich und….schämte mich!

Wir hatten die Walbeobachtung bei einer Firma in Villa Franca do Campo, einem kleinen Ort im SO der Insel gebucht. Von Ponta Delgada führt eine Autobahn bis Villa Franca, wir waren in 20 Minuten von unserem Hotel im Hafen von Villa Franca.

Der Hafen

Vor dem Büro der Compagnie warteten schon einige Leute, die mit uns auf Walbeobachtung schippern wollten. Wir wurden in eine englisch sprechende und deutsch sprechende Gruppe eingeteilt und erhielten für 45 Minuten eine Unterrichtsstunde über das Ökosystem des Meeres, die Umweltproblematik und das Verhalten bei einem Wale-Watching. Wir bekamen Rettungswesten und stiegen dann in ein Schlauchboot: Die Abenteuer,innen vorne, ältere Personen und Kinder hinten. Urs und ich saßen in der Mitte des Bootes wie im Reitsattel auf einer gepolsterten Bank und konnten uns an einem Griff vor uns festhalten. Und ab ging die Post! Die Wellen des Atlantiks hoben das Boot vorne steil in die Höhe und mit einem lauten Knall fiel es dann auf das Wasser zurück. Ich konnte mir nie vorstellen, wie hart Wasser sein kann! Die Wellen wurden immer größer, eine schlug über unser Boot, riss mir die Brille von der Nase, die Augen brannten vom Salzwasser, ich sah nichts mehr, der Fotoapparat war nass, also Bilder machen konnte man vergessen.

Aber: Nachdem wir uns etwas an diese Situation gewöhnt hatten, ich die Augen langsam wieder etwas weiter aufmachen konnte, sahen wir vier Pottwale. Sie schwammen ruhig in einiger Distanz an uns vorbei. Schwärme von Delphinen (sog.Delphinschulen) begleiteten eine Zeit lang unser Boot und gegen Ende der Fahrt sahen wir plötzlich in etwas größerer Entfernung einen Wal, der sich vollständig aus dem Wasser aufrichtete, wieder abtauchte und erneut vollständig auftauchte.

Vollkommen durchnässt, fast ohne Fotos, aber glücklich kehrte wir zum Hafen zurück. Wir waren so durchnässt, dass wir über den ganzen Pier einer Spur mit unseren durchnässten Schuhen zogen.

Am Ende der Pier befindet sich ein kleines Restaurant, wir suchten uns einen Platz in der Sonne und liessen uns bei einem kleinen Mittagessen von der Sonne der Azoren trocknen.

Übrigens, die Schuhe waren auch nach vier Tagen noch nicht trocken, sie trockneten erst im Kreuzfahrtschiff.

Nachdem wir uns im Hotel umgezogen hatten, wollten wir noch einmal die SW Küste umfahren. Es war eine sehr schöne Tour und natürlich landeten wir wieder in Mosteiros, besuchten das natürliche Schwimmbad, hörten dem Rauschen der Wellen zu und genossen den Nachmittag. Die Rückfahrt ging über Remédios, Santo Antonio, Capelas und São Vicente Ferreira nach Ponte Delgada.