2023.18 SA

Kapitel 12

Donnerstag, 23. November 2023


Ushuaia / Argentinien

Nach dem Verlassen des Ankerplatzes bei der Isola de los Estados nimmt die Hanseatic Kurs auf Ushuaia, der südlichsten Stadt Argentiniens und Hauptstadt der argentinischen Provinz Tierra del Fuego (Feuerland) am Beagle-Kanal liegend. Feuerland ist eine Inselregion im südlichen Argentinien und Chile. Ihren Namen hat die Inselgruppe von dem portugiesischen Seefahrer Ferdinand Magellan, der unter spanischer Krone segelte und als erster Europäer dieses Land besuchte. Bei seiner Ankunft glaubte er viele Feuer (spanisch: fuego) von den Yaghan- Indianern zu sehen. Feuerland ist von seiner Natur her atemberaubend, aber ein stürmischer Wind und niedrige Temperaturen lassen den Wunsch nach langem Aufenthalt in der Natur oder sogar einem Bad im Meer sehr schnell „in Rauch aufgehen“..

Ushuaia wetteifert mit dem zu Chile gehörenden Puerto Williams auf der Insel Navarino um den Titel „südlichste Stadt der Welt“ zu sein: Puerto Williams liegt zwar etwas südlicher, ist jedoch nach unserer Nachfrage keine Stadt!

Englische Missionare errichteten 1869 eine kleine Ortschaft, um die „Heiden“ zum wahren Glauben zu bekehren; 1884 eroberten argentinische Seestreitkräfte diese Missionsstation und gliederten sie Argentinien an. Eine Bedeutung erlangte Ushuaia erst mit dem von Gefangenen erbauten Gefängnis, das jenes auf der Isla de los Estados ersetzte. Die Gefangenen, grösstenteils Gewaltverbrecher, aber auch politische Gefangene, bauten die Schmalspurbahn Ferrocarril Austral Fuefuino, mit der heute Touristen, so auch ein Ausflugsangebot der Hanseatic, durch den Nationalpark Tierra del Fuego fahren.

Die Nähe zur Antarktis, zum Feuerland-Nationalpark und die einzigartige Natur der Umgebung verhalfen Ushuaia zu einem erheblichen Touristenaufkommen. Auch als Ausgangspunkt für Antarktisexpeditionen und Zwischenhalt für Kreuzfahrtschiffe ist Ushuaia beliebt. Da fast alle Waren über weite Strecken in die Stadt gebracht werden müssen, gilt Ushuaia auch als eine der teuersten Städte ganz Südamerikas.

Die Hanseatic erreicht Ushuaia gegen 7.00 Uhr morgens und legt am Pier an. Sofort bemerken wir: Wir sind nicht alleine hier: Uns gegenüber hat die Aida Nova festgemacht, etwas weiter ein Kreuzfahrtschiff der Norvegian Linie, etwas weiter ein südamerikanisches Kreuzfahrtschiff und ein chinesisches Fischfabrikschiff. Letzteres wird den ganzen Tag Fischkonserven in riesige Container laden!


Urs und ich haben zwei unterschiedliche Ausflüge gebucht: Urs fährt am Morgen mit einem Geländewagen entlang des alten Holzfäller-Trails und ich habe eine Katamaranfahrt im Beagle Kanal gebucht.

Hier der Bericht von Urs:

Mit mehreren Geländewagen verschiedener Ausführungen

fahren wir auf der Ruta Nacional 3 ins Landesinnere.

Die Ruta Nacional 3 ist eine der bedeutendsten Fernstrassen des Landes. Sie beginnt in Buenos Aires und führt über 3045 km in südlicher Richtung durch ganz Ost-Patagonien nach Ushuaia.

Der Tag ist wie die meisten Chilenischen Tage auf dieser Reise verhangen regnerisch. In den Bergen regnet es mal, dann hellt es auf, wir würden es als Aprilwetter bezeichnen, was eigentlich der Jahreszeit auf der südlichen Halbkugel entspricht. Beeindruckende, verlassene Landschaften durchfahren wir: Durchs Gebirge (Monte Olivia, Mirado Carbajal) entlang des Rio Olivia, dem Valle del Olivia, durch Wälder, die sich unverhofft öffnen und einen Blick auf die Hochebene erlauben.

Wir überquerten den Pass Garibaldi. Von hier haben wir einen schönen Ausblick auf unser Ziel den See Lago Escondido.

Auf dem Parkplatz des Sees empfängt uns ein wilder Fuchs. An einem Campingplatz fällt bestimmt immer etwas ab für ihn.

Ein kurzer Fussmarsch führt uns zum Seeufer, an dem wir einen Biberbau entdecken, angeknabberte Bäume stehen oder liegen überall herum.

Unser Guide und Hr. Dr.Lauenstein erklärt uns die Entstehung und die Geologie dieses Gebietes.

Leider wird nichts aus der Rückfahrt über den versprochenen Holzfäller Trail, er ist gesperrt.

Was einige Mitreisende erzürnt. Auf der Rückfahrt, wieder über die Ruta National 3, machen wir an einem wohl ehemaligen Holzfällercamp Mittagshalt. Das Anwesen Husky Park – Nunatak ist zu einem Restaurant mit dazugehörendem Schlittenhundezwinger ausgebaut. Ein typisches Mittagessen wird serviert, viel Fleisch und Süsskartoffel.

Leider sind einige Mitreisende über die abgesagten Trail Fahrt so heftig enttäuscht, dass sie vor dem Essen unverzüglich zum Schiff zurückgebracht werden wollen. Man muss auch sagen, dass einige der Geländewagen sehr ungünstige Rückbänke besitzen, die während der Fahrt keinen Ausblick in die Höhe bieten, die Bänke sind zu hoch, der Blick ist nur nach vorne auf die Strasse möglich und es gibt nur wenige «Fotostopps». Ich habe Glück und sitze in einem «normalen» 4×4 mit Aussicht. Die Rückfahrt ist wie die Hinfahrt, na ja .. .. Unser einheimischer Guide macht die Hapag-Lloyd Begleiter auf eine alternative Ausflugsvariante aufmerksam, die ein Ganztagesausflug wäre und schönere Einblicke auf den Teil Feuerlands bieten würde. Ob der Vorschlag angekommen ist? Um ca. 13:30 sind wir wieder zurück auf dem Schiff.
Der Ausflug war OK, hielt nicht ganz was er versprach. Die Reklamation der Gäste bewirkte eine Teilrückzahlung der Ausflugskosten.

Ich laufe am Morgen entlang der Pier,

erlebe das geschäftige Arbeiten der Hafenangestellten,

staune über die Grösse der Kreuzfahrtschiffe (die Spirit wirkt im Vergleich zu ihnen wie eine kleine Maus), versuche mit den auf den Stufen zur Pier dösenden Seelöwen zu kommunizieren, ohne Erfolg,

und schlendere in die Stadt.

Es ist eine sehr lebendige Stadt mit vielen Souvenirläden, Warme-Kleider-Geschäften, Sportgeschäften und Bistros.

Mein Ziel ist zunächst die Post. Ich möchte einige Postkarten mit der Briefmarke und dem Poststempel der südlichsten Stadt der bewohnten Welt verschicken.

Auffällige sind auch die schönen Wandmalereien, die auch einen Bezug zur Geschichte haben.

Als ich die Poststelle betrete, befinde ich mich am Ende einer riesigen Schlange, die sich kaum vorwärts bewegt. Rundherum höre ich nur Geplapper in deutscher Sprache, (AidaNova lässt grüssen) was in einem verärgerten lauten Rufen endet: Ja, gehts denn hier nicht weiter! Müssen wir denen auch noch beibringen, wie man Briefmarken klebt…“ Ach ja, auch am Ende der Welt bleibt man von deutschen Besserwisser nicht verschont! Nach diesem Posterlebnis bummele ich noch etwas in den Strassen Ushuaias, trinke in einem kleinen Café einen Tee, suche nach dem berühmten Krabbenlokal, habe aber keine Lust, mich wieder in einer „besser wissenden Schlange anzustellen

und spaziere gemächlich zu den Seelöwen an der Pier, die allerdings ins Wasser verschwinden. Ich kehre zum Schiff für ein kleines Mittagessen zurück.

Mein Ausflug startet um 15:30 Uhr mit einer Katamaranfahrt im Beagle Kanal.

Der Beagle-Kanal ist eine natürliche Wasserstrasse an der Südspitze Südamerikas, die den Atlantik mit dem Pazifik verbindet. Benannt ist sie nach dem britischen Forschungsschiff Beagle, mit dem Robert Fitz Ray diese Wasserstrasse 1831 entdeckte. Sein berühmtester Passagier: Charles Darwin.

Ob wir eine Berühmtheit an Bord dieses Katamarans haben, wird die Nachwelt wissen! Das Schiff ist mit Menschen aus aller Herren Länder besetzt und was zu einiger Aufregung vor allem bei den deutschen Passagieren führt, einer Gruppe junger Umweltaktivisten. Sie protestieren lautstark mit Plakaten und Reden geben die touristischen Störungen der Tier- und Pflanzenwelt Südpatagoniens. Mich stören sie nicht: Sie sind jung und setzen sich für den Erhalt ihrer Heimat ein, für mich bewunderungswert ist ihr Temperament und ihre Fröhlichkeit. Dagegen bei den deutschen Hobbyfilmer von unserem Schiff, die die Seelöwenkolonie und die Pinguine filmen wollen, führt ihre Aktion zu Aggression und unschönem unflätigem lauten Schimpfen und Auseinandersetzungen, die von der Schiffsmannschaft geschlichtet werden müssen. Einfach peinlich! Schade, dass es zu solch unschönen Handlungen in dieser wunderbaren Natur kommt. Wir steuern kleine Inseln an, mit Pinguin Kolonien, Seelöwen und unzähligen Seevögeln. Das Wetter, der Wind und die Wellen zeigen sich von der angenehmen Seite, so dass für mich die Fahrt ein richtes Glückserlebnis ist.

Um 18.30 Uhr kehren wir zur Pier in Ushuaia zurück und müssen uns sputen, denn 18.30 Uhr ist Landgangsende. Die Spirit verlässt den Hafen von Ushuaia und nimmt Kurs auf Puerto Williams (Chile).

Nach dem Abendessen erhellen dann die Lichter von Porto Williams die dunkle Magellanstrasse. Ankern dürfen wir nicht, es erfolgt nur die Einklarierung für Chile, die vom Zahlmeister durchgeführt wird. Wir Passagiere geniessen einen „Winterzauber im Argentinischen Frühling“ mit Glühwein, heisser Schokolade und Snacks am Pooldeck.

Ciao Argentina! Hasta luego!