2018.3 Cusco

21.04.2018 – 24.04.2018 Cusco

  1. Tag

Der Flieger nach Cusco hob pünktlich um 12.14 Uhr ab. Er dauerte eine Stunde und war angenehm. In den innerperuranischen Flügen gibt es keine Speisen oder Getränke, was sehr beruhigend wirkt, die Hektik des Servierens und Abräumens fehlt. Auch darf man seine „Flüssigkeiten“ mit in den Flieger nehmen! Als ich in Cusco die Kabine verließ, pochte mein Herz gewaltig, auf meinen Kopf schob sich eine Platte wie aus Beton und ich sah die Treppe wie durch einen Nebel: Wir waren auf 3400m Höhe! Die Organisation war perfekt, wir brauchten uns nicht ums Gepäck zu kümmern, es wurde direkt vom Förderband ins Hotel gebracht. Das Hotel: Ein historischer Schatz! Ein zum Luxushotel umgewandeltes Kloster aus dem 16.Jhrdt. Wer Lust hat zum Stöbern, hier die WebAdresse:https://www.belmond.com/de/hotel-monasterio-cusco/.

Der Nachmittag diente der Akklimatisierung und zum der Erkundung der Umgebung um das Hotel herum. Für mich wurde der Nachmittag zum Alptraum: Die Kopfschmerzen wurden immer stärker, der Schwindel auch. Auf Rat der Mitreisenden trank ich Cocatee auf Cocatee, ohne Erfolg! Ich überstand das gemeinsame Nachtessen bei Kerzenschein in einem alten spanischen Haus,

aber dann kam die Nacht: Unsagbare Kopfschmerzen, Übelkeit bis zum Erbrechen, Herzrasen…Ich half mir mit Ibu und Vomex, aber ich merkte, so geht es nicht weiter…….

2.Tag

Am Morgen hatten wir unter Führung einer sehr netten, engagierten und liebenswürdigen Touristenführerin Jovana einen Gang durch die 500 000 Einwohner große Stadt Cusco, die ehemalige Hauptstadt des Inkareiches. Die Inkavergangenheit ist überall präsent und bewunderungswürdig.

Die Zeugnisse der Quechua-Kultur, die wir fälschlicherweise als Inka-Kultur bezeichnen (Inka war nur der König, der „Pharao“, sein Volk waren die Quechua) finden sich noch heute weit verbreitet in Cusco. Aber den Stempel aufgedrückt haben natürlich die Spanier, die Eroberer.Ihre Zeugnisse finden sich vor allem in einer Unzahl von Kirchen und deren Ausstattung mit Gold und Silber (Cusco-Barock), das natürlich Raubgut war/ist. Da Cusco die Hauptstadt der Quechua war, mussten die Eroberer in doppeltem Maße auftrumpfen um als Sieger und Herrscher dazustehen!Riesige geschnitzte Balkone und Eingangstüren zieren z.B. ihre Hauser und demonstrieren/ten Macht.

Ich stand die Führung einigermaßen durch. Aber das Mittagessen schaffte ich nicht mehr. Wir gingen ins Hotel zurück, erkundigten uns an der Rezeption nach der Adresse eines Arztes. In solch einem Hotel geht man nicht zum Arzt, der Arzt kommt (Nun wissen wir es!). Man gab uns sofort eine Flasche mit Sauerstoff

und ich musste einatmen. Nach einer halben Stunde kam der Arzt. Er stellte fest, ich hatte zu wenig Sauerstoff im Blut. Es gab zwei Möglichkeiten: 1. Infusion im Krankenhaus 2. Strenge Therapie im Hotel. Ich entschied mich natürlich für Nr.2: Er gab mir eine Spritze, Tabletten gegen Übelkeit und Bluthochdruck, 3 l Elektroloytflüssigkeit( gräßlicher Geschmack) und übte mit mir Yoga-Atemübungen.

Kurzum, es half, ich hatte eine ruhige Nacht und konnte am nächsten Tag am Programm weiter teilnehmen.

3. Tag

Nach einer guten durchgeschlafenen Nacht, wieder Essen im Magen, beginnt der Tag direkt anders!

Heute stand ein Highlight auf dem Programm. Wir fuhren zu einer Kooperativen, die von Frauen gegründet wurde um ihre Webwaren direkt ohne Zwischenhändler zu vermarkten und ihre Kultur, die Quechua-Kultur, nicht aussterben zu lassen. Quechua ist die 3.Landessprache in Peru, wird aber in der Schule nicht unterrichtet!!!Die Kooperative hat verschiedene Sponsoren, darunter auch das größte Touristunternehmen Akorn in Peru. Wir fuhren auf 3800m Höhe (ich hatte keine Probleme!) und wir wurden schon weit vor dem Dorf von Quechua-Musikern und tanzenden Frauen empfangen.

Mich nahm so kleines Mädchen an die Hand, ich schätzte so ungefähr 3 Jahre alt und streichelte mir die ganze Zeit die Hand, lächelte mir zu und wollte mit mir reden.

Wir wanderten bei herrlicher Kulisse auf den Dorfplatz, auf dem die Frauen sich aufgestellt hatten, sie erklärten uns detailliert die Bedeutung ihrer Tracht.

Da es weit und breit keinen Arzt gibt, ist man auf natürliche Heilkräuter angewiesen. Wir waren sehr erstaunt und lernten wie man z.B. Raps, Dill und die männlichen und die weiblichen Brennnesseln als Heilkräuter verwenden kann.

Sie hatten uns verschiedene typische Quechua Gerichte gekocht, die wir verkosteten.

Dann erfolgte eine schöne lange Wanderung, natürlich mit Musik, zu der Wollverarbeitung.

Die Atmosphäre war leicht, lustig, geruhsam und auch wir Europäer wurden immer entspannter. Die Verarbeitungsschritte ( Schneiden, natürliches Waschen mit dem Saft einer Wurzel, natürliches Färben, das Spinnen und Weben) von der Wolle des Alpkaschafes bis zum fertigen Poncho sind aufwendig!!

Natürlich kauften wir auch einige Stücke und alle, selbst die Kritischsten unserer Gruppe waren von diesem Vormittag begeistert!

Nur sehr ungern verabschiedeten wir uns von diesen freundlichen Menschen und fuhren mit unserem kleinen Bus zu einer ehemaligen spanischen Hazienda zum Mittagessen. Ein sehr schöner Bau in einem Garten, der einem Blütenmeer glich.

Das Innere des Hauses glich einem Museum: Antiquitäten und Gemälde aus der Erobererzeit: Kristall, Keramik, schwere Möbel, Silber-und Goldstatuen. Ich wusste nicht, wo zuerst hinschauen, bewundern und nachdenklich werden!

Das Essen war vorzüglich mit landestypischen Gerichten, die uns unserer Superguide (seit Lima), der liebe Franz, detailliert erklärte. Wir aßen nicht zu Mittag, wir speisten!

Die Stimmung wurde immer lustiger, wohl auch dank des vorzüglichen peruanischen Rotweins auf 3400m Höhe! Aber Franz blieb hart, wir bettelten noch hier bleiben zu dürfen, nein, das Nachmittagsprogramm musste absolviert werden!

Wir fuhren ins „Valle Sagrando“ ( = heiliges Tal, weil es das fruchtbarste der gesamten Region ist) zu der für die Quechua Kultur bedeutende Stadt Ollantaytambo. Sie befindet sich „nur“ in 2750m Höhe. Ihr Name stammt von dem Inka-Feldherr Ollantay. Manca Capac, der von den Spaniern eingesetzte Scheininka verschanzte sich hier 1536 nach seiner Niederlage beim Aufstand gegen die Spanier. Herando Pizzzaro verfolgte ihn bis zu diesem Ort, die Quechua wehrten sich, setzten die Ebene unter Wasser und zwangen die Konquisatores zur Flucht. Einige Wochen später konnten die Spanier mit neuen Truppen die Festung erobern, Manca floh, wurde aber ermordet.

In der Mitte des Ortes, der fast ganz noch aus den Quechua-Häusern besteht (natürlich zum Teil erneuert,modernisiert!) befindet sich der Sonnentempel. Man erreicht ihn durch den Aufstieg von mehr als 100 Stufen. Bewunderungswürdig ist die Steinbruchleistung. Große Blöcke wurden mit Nuten und Zapfen kunstvoll ineinander verzahnt und so Erdbebensicher gemacht.

Urs und ich beschlossen, unten zu bleiben, da es mir wieder gut ging und ich meine Kräfte für den nächsten Tag, das Highlight Machu Picchu aufheben wollte. Wir bummelten durch den Ort,

genossen die Atmosphäre und trafen uns mit der Restmannschaft an unserem kleinen Bus. Wir waren schon zu einer eingeschworenen Truppe zusammengewachsen und tauschten lebhaft unsere Eindrücke aus. Die Fahrt ins Hotel verlief bei dem immerwährenden Verkehrschaos und den sehr schlechten Straßen sehr mühevoll:Wir kamen sehr spät dort an und hatten keine Lust mehr essen zu gehen: Wir aßen die Nüssli aus der Minibar!