2022.8

São Nicolai/Tarrafal 29.10.2022

Im Precap gestern Abend erfuhren wir, dass São Nicolai zur Inselgruppe Ilhas de Barlavento d.h zu «den Inseln über dem Wind « gehört. Die Bezeichnung kommt von der Lage zum Passatwind, der immer von der gleichen Richtung her weht, in Sao Nicolai von Nordosten «vor anderen Winden». Die Insel ist eine der kleineren Inseln der Kapverden. Während das gebirgige Zentrum unregelmässige Niederschläge bekommt, sind die Küstenregionen und die Halbinsel wüstenartig trocken.

Entdeckt wurde die Insel 1460 von Antonio da Noli, einem Kapitän aus Genua. Er nahm sie im Auftrag Heinrichs des Seefahrers für Portugal in Besitz. Besiedelt wurde sie jedoch erst im 18.Jahrhundert. Bedeutung erlangte die Insel durch das 1866 eröffnete Priesterseminar, das älteste in Westafrika. Zu diesem Seminar gehörte auch eine weltliche Schule, die von den grössten Literaten und Künstlern der Kapverden im 19.und 20.Jahrhundert besucht wurde.

Heute leben nur ungefähr 12.000 Menschen auf São Nicolai. Viele Inselbewohner wanderten in den 40iger Jahren des letzten Jahrhunderts wegen der grossen Hunger- und Dürrekatastrophe aus.

Die Insel lebt vom Fischfang, der kleinen Produktion von Südfrüchten und den Zuwendungen von Familienangehörigen in der Emigration. Der Tourismus ist wenig entwickelt, da die Verkehrsverbindungen per Flugzeug und Fähre noch nicht gut ausgebaut sind.

Ideal ist sie für Wanderer und Mountainbiker, da das Gebirge nicht ganz so hoch ist wie auf den anderen Inseln. Der höchste Berg ist der Monte Gordo mit 1.312m im fruchtbarsten Teil der Insel, im Nordwesten.

Urs und ich wollten genau diese Region um den Monte Gordo kennen lernen. Hier werden Zuckerrohr, Mangos, Avocados, Mandeln, Papayas, Maniok, Süsskartoffeln und Kongo-Bohnen angebaut. Von einem einheimischen Guide bekamen wir die genauen Anbaumethoden erklärt sowie detailliert die komplizierte Wasserversorgung z.B. in der Faja-Ebene.

Die Landschaft ist traumhaft: Fantastische Felsformationen, tiefe Täler mit buntbemalten Häusern, verschiedene Grünfarben der Vegetation und in der Ferne der blaue Atlantik. Dazu eine Stille und Ruhe, die man sonst sehr selten findet. In einem kleinen Dorf durften wir vor der kleinen Kirche einer Vorstellung von jungen Dorfbewohnern zusehen, die tänzerisch das Werben um ein Mädchen darstellte. Wir waren alle begeistert.

Grosse Drachenbäume begleiteten uns entlang der gepflasterten Strasse zurück zur Anlegestelle der Tenderboote.

Dort überlegten wir uns, ob wir nicht noch etwas in dem kleinen Ort Tarrafal bleiben und uns ein kleines Restaurant zum Mittagessen suchen sollten. Gesagt getan! Die Suche erwies sich schwierig, zunächst entdeckten wir nur «Kneipen». Da es immer heisser und vor allem unangenehm schwül wurde, betraten wir eine Gaststätte und fragten nach der Speisekarte zum Mittagessen. Niemand verstand uns (auch nicht mit Hilfe meiner super Übersetzungsapp), also Zeichensprache. An einem Tisch sass eine Gruppe holländische Taucher. Sie kamen uns zu Hilfe, übersetzten ins Creol. Eine Auswahl von Essen gab es nicht, sondern nur ein Gericht. Sollten wir uns darauf einlassen? Ja, wir probieren es! Nach ¾ Stunde (also frisch gekocht!) kam das Essen: Es war das Nationalgericht von São Nicolai und der Kapverden überhaupt: Cachupa. Es ist ein Eintopf aus verschiedenen Gemüsesorten, wobei die Hauptrolle Tomaten, Mais und Bohnen, aber auch Maniok, Kartoffeln und Karotten spielen. Dazu gab es herrlichen Fisch. Es hat sehr gut geschmeckt.

Zutaten für die Cachupa (für 4 Personen):

250 g Mais (eigentlich weißer Mais, alternativ geht auch gelber oder roter Mais)
150 g rote Bohnen
1 grüne Banane
2 Zwiebeln
2 Süßkartoffeln
4 Kartoffeln
1 große Karotte
1 Hand voll Kohl
1 Hand voll Kürbis
2 Tomaten
3 Knoblauchzehen
70 ml Olivenöl
2 Lorbeerblätter
1 Prise Piment
Salz und Pfeffer

(Gemüse nach Wahl und Saison!) .

Zubereitung der Cachupa:
Mais und Bohnen über Nacht einweichen. Zwiebel in Würfel schneiden. Knoblauch fein hacken. Grüne Banane, Karotte, Kartoffeln, Süßkartoffeln und Kürbis schälen und in ca. 1 cm große Würfel schneiden.
Eingeweichten Mais und Bohnen, mit Lorbeer in einem großen Topf, mit Wasser bedeckt für 2- 2,5 Stunden kochen bis der Mais weich ist. In der Zwischenzeit in einem weiteren Topf Knoblauch und Zwiebeln und das gewürfelte Gemüse mit Olivenöl auf mittlerer Stufe für 30 Minuten bissfest garen.
Falls Fleisch, Speck und Chorizo mit in Cachupa wandern, sollten diese in einer Pfanne scharf angebraten werden und anschließend mit dem Gemüse zusammen kochen. Besonders gut schmeckt die Fleisch-Cachupa, wenn das Fleischvom Grill kommt. Wenn es Cachupa Rica mit Fisch gibt, so wird auch dieser erst in groben Stücken angebraten und dann zusammen mit dem Gemüse gegart.
Den gekochten Mais und die Bohnen zum Gemüse geben. Gegebenenfalls mit Brühe oder Weißwein abschmecken. Für weitere 20 Minuten köcheln bis das Gemüse weich ist. Mit Salz, Pfeffer und Piment würzen und sofort servieren.

Wegen der Hitze wollten wir nicht weiter in Tarrafal herumspazieren und wir sehnten uns nach der Klimaanlage des Schiffes! Also gings mit dem Tenderboot zurück aufs Schiff!

Den Abend verbrachten wir auf Deck 9 und genossen die Fahrt der Hanseatic unter einem Sternenhimmel zu unserem nächsten Ziel: Maio