2023.2 GT

03.10. Luzern-Flüelen-Gotthard-Panorama-Express-Lugano

Der nächste Morgen erwies sich ebenso traumhaft schön wie der Vortag: Herrliches Herbstwetter wie aus dem Bilderbuch! Wir begaben uns nach dem Frühstück zur Schiffsanlegestelle in der Nähe des Bahnhofs, drehten noch eine Runde mit dem dort installierten Riesenrad und bestiegen ein nostalgisches Dampfschiff „Stadt Luzern“.

Unser Gepäck gaben wir vor Besteigen des Schiffes ab, es wurde separat nach Flüelen gebracht. Die Schifffahrt über den Vierwaldstättersee dauerte fast drei Stunden. Wir genossen die Atmosphäre auf Deck, die beeindruckende Landschaft und das wunderschöne Wetter.

Diese Fahrt ist auch eine Fahrt durch die sagenumwobene Geschichte der Schweiz:

Küssnacht am Rigi, an einem der drei Arme des Vierwaldstättersees gelegen. «Durch diese Hohle Gasse muss er kommen, es führt kein anderer Weg nach Küssnacht» lässt Friedrich Schiller den Nationalhelden Wilhelm Tell sagen, als er dem Landvogt Gessler auflauerte. Hier soll er seinen Erzfeind erschossen haben.

Weggis. Ein Tourismus Ort, der an einer Ausbuchtung des Sees liegt, am Südwestfuss der Rigi. Wegen seines milden Klimas kann man Orchideen, Palmen und Südfrüchte in freier Natur bewundern. Seine Entstehung kann man bis ins Jahr 800 zurückverfolgen

Vitznau war für mich ein «Revival». Vor mehr als 40 Jahren war ich zu einem Familientreffen das letzte Mal in Vitznau. Es liegt wie Weggis an der Ausbuchtung des Sees im Weggisbecken und am Südfuss der Riggi. Vitznau war in der Vergangenheit keine eigenständige Gemeinde und gehörte zur Landvogtei Weggis. Beeindruckend ist das Parkhotel, das direkt am See liegt und meinerseits in bester Erinnerung ist: Ruhe, Luxus und eine ausgezeichnete Gastronomie. In der Nähe des Hotels an der Schiffslädte befindet sich der Stationsbahnhof der Rigi Zahnradbahn, die 1873 als erste Bergbahn Europas den markanten Kulm-Aussichtspunkt erreichte.

Brunnen. Hier macht der Vierwaldstättersee einen rechten Winkel. Man nimmt an, dass das Eis des Reussgletschers sich teilte und einmal in Richtung Schwyz zum anderen in Richtung Buochs wanderte. Wie Vitznau und Weggis kommt Brunnen in den Genuss eines warmen Fönwindes aus dem Reusstal. Der Namen «Brunnen» kommt aus dem Mittelhochdeutschen «bronnen», was Quelle bedeutet. Brunnen besitzt auch heute noch eine Anzahl von Quellen mit grosser Wassermenge. Geschichtlich hat Brunnen eine grosse Bedeutung: Am 9.12.1315 schlossen Uri, Schwyz und Unterwalden in Brunnen, nach der siegreichen Schlacht gegen die Habsburger am Morgarten, den 2.Bund der Eidgenossen.

Urnersee. Der See verengt sich. Gewaltige Berge ragen zu beiden Seiten aus dem Wasser und rahmen die Einfahrt in den Urnersee. Hier ist die Geburtsstunde der Schweiz.

Treib. Schon im frühen Mittelalter entstand in Treib ein Schutzhafen, um den Schiffen vor den Seestürmen Schutz zu gewähren. Treib bot auch Verfolgten Schutz: Sie durften sich dort 3 Tage aufhalten, ohne festgenommen zu werden. Das Wirtshaus zur Treib wurde 1482 erwähnt, in dem die alten Orte der Eidgenossenschaft 72 Tagessatzungen abhielten. Man kann es an der Schifflände bewundern!

Rütli. Auf der gegenüberliegen Seeseite. Hier ist die Geburtsstätte der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Am 1. August 1291 schworen auf dem Rütli die drei Abgesandten der Kantone Uri, Schwyz und Unterwalden den ewigen Bund der Waldstätte.

Etwas weiter ragt ein hoher, markanter Felsblock aus dem See. Er wurde zu Ehren Friedrich Schillers errichtet, dem Autor des Dramas „Wilhelm Tell“.

Die Tellsplatte. Bei ihr soll sich Wilhelm Tell mit einem Sprung aus dem Boot des Landvogts Gessler gerettet haben. Er soll dem Boot noch einen heftigen Stoss versetzt haben, so dass dieses weit in den See abtrieb.

Unsere Schiffsreise näherte sich nun langsam dem Ende zu, die Schiffsanlegestelle Flüelen kam in Sicht. Wir verliessen das Schiff und sahen sofort unser nächstes Verkehrsmittel nach Lugano: Der Gotthard-Panorama-Express.

Im Nachhinein muss ich sagen, er war von den drei Panoramazügen der angenehmste! Die grossen Panoramafenster der 1.Klasse zeigten uns die wunderschönen Landschaften der historischen Gotthard Strecke: Altdorf-Erstfeld-Wassen-Göschenen-Airolo-Lavorgo-Biscasca-Bellinzona-Lugano. Viele Annehmlichkeiten gestalteten diese Fahrt zum Highlight: Grosse Panoramafenster, ein sehr netter Kondukteur, der Reiseleiter, Kontrolleur, Animateur in einer Person war, ein separater «Fotographierwaggon», mit Mitfahrer Alfred Escher, dem Initiator der Gotthardlinie, Getränke usw. Die Fahrt führte uns bei herrlichem Wetter durch zahlreiche Kehrtunnel, die Kirche von Wassen erblickten wir dreimal aus drei verschiedenen Perspektiven und wurden bei Göschenen von einem fahnenschwingenden Einheimischen begrüsst.

Lugano erreichten wir am späten Nachmittag. Da unser Hotel weit entfernt vom Bahnhof lag (in Paradiso) nahmen wir ein Taxi. Die Entfernung zur Stadt Lugano war auch der Grund, dass wir von der Stadt wenig sahen. Das bedauerten wir sehr! Wir starteten zu einem Abendspaziergang am Seeufer, brachen ihn jedoch wegen der Entfernung nach ¾ Stunde ab und speisten letztendlich im Hotel.