Kapitel 15
Sonntag, 26. November 2023
Punta Arenas /Chile.
Die chilenische Kolonie Punta Arenas wurde am 18. Dezember 1848 gegründet. Als Station an einer der wichtigsten Handelsstraßen der Erde wurde der Ort rasch sehr wohlhabend. Ihren ersten großen Aufschwung hatte sie während des kalifornischen Goldrausches, als sie als Anlaufhafen für die Klipper-Schiffe diente. Nach der Eröffnung des Panamakanals verlor der Hafen seine Bedeutung, jedoch kam gerade rechtzeitig die zweite Aufbruchsstimmung der Stadt, als sie Chiles Zentrum für den Wollhandel wurde.
Als mächtigste wirtschaftliche Akteure der Stadt etablierten sich Ende des 19. Jahrhunderts der aus Asturien eingewanderte José Menéndez, der portugiesisch stämmige Walfangunternehmer José Nogueira und die Familie Braun, deren Tochter Sara Braun nach ihrer eigenen Heirat und der ihres Bruders sämtliche Unternehmen der drei anderen Familien unter ihre Kontrolle brachte. Ihre Gesellschaft war massgeblich an der wirtschaftlichen Entwicklung des südlichen Patagoniens und Feuerlands beteiligt, eine Begleiterscheinung war allerdings die gewaltsame Dezimierung der indigenen Bevölkerung.
Punta Arenas stellt eine bunte Mischung verschiedener Kulturen und Menschen dar, angefangen bei den Nachkommen portugiesischer Seefahrer bis hin zu englischen Schafzüchtern. Ein großer Anteil der Bevölkerung ist kroatisch stämmig, aber auch russische, jüdische, deutsche und Schweizer Einwanderer haben das Bild der Stadt mit geprägt. Die Indigenen wurden hingegen am Ende des 19. und im frühen 20. Jahrhundert fast vollständig vernichtet. Heutzutage gibt es mitten auf der Plaza das Armas („Waffenplatz“) von Punta Arenas ein Denkmal für Ferdinand Magellan, zu dessen Füßen zwei geschlagene Indigene hocken. Der Sage nach kehrt man nach Punta Arenas zurück, wenn man den großen Zeh eines Indigenen küsst bzw. anfasst. Leider hatten wir, Urs und ich, nicht die Gelegenheit dazu.
Chile gilt als ein sehr bürokratisches Land in Südamerika und so müssen wir eine ausgefüllte Zollerklärung auf allen unseren Ausflügen mit uns führen und auf dem Schiff weist man uns ausserdem daraufhin, dass es nicht erlaubt ist Lebensmittel von Bord mitzunehmen. Es muss mit stichprobenartigen Gepäckkontrollen überall gerechnet werden.
Urs und ich bekommen leider nicht viel von der Stadt Punta Arenas mit. Wir hatten das Highlight (im konkreten wie übertragenen Sinn) der Exkursionen gebucht: Flug zum Torres del Paine Nationalpark, Start 8.30 Uhr, Rückkehr ca.20.30 Uhr





Der Torres del Paine Nationalpark gilt als einer der schönsten Nationalparks von ganz Südamerika. Unsere kleine Truppe (ungefähr 16 Mitreisende) fährt mit dem Bus zum Flughafen von Punta Arenas, entlang der Strandpromenade und durch kleine ländliche Vororte Der kleine neue Flughafen ermöglicht ein schnelle Abfertigung und schon bald klettern wir, je 8 Personen, in zwei kleine Flugzeuge und starten nach Puerto Natalis. Ich geniesse diesen Flug sehr, die Höhe ist angenehm zum Betrachten der Landschaft und die Atmosphäre im Flieger sehr familiär.

Nach einer Stunde Flug erreichen wir Puerto Natalis, steigen in einen Bus und fahren nochmals gut zwei Stunden über Steppen in den Nationalpark.


Die Landschaft ist wirklich umwerfend: Schneebedeckte Berge,





zum Teil tiefblauer Himmel, blaugrüne Seen, ein grosser Wasserfall,



dunkles Grün und unzählige blühende Pflanzen.




Das einzig Hinderliche ist der patagonische Wind.
Gleich am Anfang des Parks erhebt sich eine grosse Windstärkeskala mit Hinweisen, wann es nicht ratsam bzw. verboten ist, den Park zu durchwandern. Ab Windstärke 80 beginnt die rote Zone! Bei uns sind es 70Km! Wir pausieren im Park in einem netten Restaurant zum Mittagessen bevor wir unsere Wanderung durch die fantastische Landschaft fortsetzen.



Nach einigen Stunden kommen wir wieder über einen Rundweg zum Ausgang des Parks zu unserem Bus zurück und werden wieder zum Flughafen gefahren. Unsere Flugzeuge warten schon auf uns und der Rückflug nach Ponte Arenas kann beginnen. Müde und voller schöner Eindrücke kommen wir gegen 21.00 zum Schiff zurück.
An Bord im Lido steht ein leckeres Abendessen mit südamerikanischen Spezialitäten(!) bereit und direkt im Anschluss wartet eine Folklore Show im HanseAtrium.
Um 23.00 Uhr verlässt die Hanseatic den Hafen von Punta Arenas und nimmt Kurs auf den Asia Fjord.





