2023.3 GT

04. 10. Lugano – Bernina-Express (Bus und Zug)

Am nächsten Morgen fuhren wir nach dem Frühstück mit dem Taxi zum Bus-Bahnhof Lugano, stiegen in den Bernina-Express Bus und starteten zu einer fast dreistündigen Busfahrt mit einer kleinen Erfrischungspause entlang des Luganer-und Comersees sowie durch das italienische Veltin nach Tirano.

Der Bus war bis auf den letzten Platz besetzt, das Wetter ausgezeichnet und die Landschaften zogen wie in einem Werbefilm an uns vorbei. Nur der Busfahrer störte die Harmonie, er war mürrisch und wortkarg. Bei Ankunft in Tirano liess er uns aussteigen ohne jeglichen Hinweis auf die Örtlichkeiten. So irrten wir zunächst hilflos am Bahnhof hin und her, bis wir zufällig abseits vom Bahnhof die Abfahrtsstation für den Bernina-Express entdeckten. Eigentlich schade nur den Bahnhofsbereich zu besuchen, ein Besuch der Altstadt schien uns sehr verlockend: Das nächste Mal!

Die Fahrt mit dem Bernina-Panorama-Express war landschaftlich die schönste Strecke.

Sie ist Teil des Unesco-Welterbes. Beginnend mit Tirano, einem kleinen schmucken italischen Städtchen mit der Gleisführung des Zuges durch die Strassen der Stadt direkt neben den Autos und quer über die Strassenkreuzung,

der Schweizergrenzstation Campocologno, dem Kreisviadukt bei Brusio, dem Palü-Morteratsch Gletscher, der Alp Grüm , dem Albulatal und seinen Kehrtunnel sowie Pontresina. Porteresina ist die einzige grössere Siedlung im Val Bernina, einem Seitental des Engadins, und im Gegensatz zu St.Moritz der ruhigere, auch familenfreundlichere Ferienort.

Besonders eindrücklich bei dieser Strecke waren:

  1. Die Sicht auf den Lago Bianco in Nähe der Passhöhe. Das Wasser des Sees fliesst sowohl ostwärts via Engadin ins Schwarze Meer als auch südwärts via Comersee und die Poebene in die Adria.
  2. Die höchstgelegene Bahnstation dieser Srecke, die «Ospizio Bernina», liegt auf 2230m.ü.M.
  3. Die Sicht ins Tal zum Palügletscher, nachdem die Bahn eine 180 Grad Himmelskurve vollbrachte
  4. Das 360 Grad Kreisviadukt bei Brusio. Mit einer Neigung von 7 Grad und einem Gleisradius von 70m überwindet die Bahn hier eine enorme Höhendifferenz, ohne Kehrtunnel und Talquerungen. Jeder der neun gemauerten Bögen besitzt eine Spannweite von 10m (Prospekt der rhätischen Bahn)

Das Hotel in St. Moritz wartete auf uns! Nach dem Bezug der Zimmer schlenderten wir durch das Dorf, jedoch konnte uns der Ort nicht erwärmen. Abgehoben, kalt und distanziert. Der Name des Ortes ist angeblich so gefragt, dass er als Marke eingetragen und international geschützt ist. Wir trafen in den Strassen hauptsächlich auf asiatisches Publikum, das mehr an den überteuerten Auslagen der Geschäfte als an der Landschaft und dem Dorfleben interessiert war. Der berühmte See am Rande von St.Moritz zeigte sich uns nur grau und trüb!

Auch das Abendessen konnte uns nicht überzeugen. Das Flair von St. Moritz sprach uns nicht an!