2023.19 SA

Kapitel 13

Freitag, 24. November 2023


Kap Hoorn / Chile

Alle, Mannschaft wie Passagiere, waren gespannt, ob die Spirit an diesem Ort anlanden kann. Kap Horn, ein Synonym für brutale Wetterbedingungen und Gefahr: plötzliche Wetterumschwünge, Kälte, Stürme, Regen….

Kap Hoorn , der südlichste Punkt Südamerikas, wurde von dem holländischen Seefahrer Willem Schotten am 29. Januar 1616 zum ersten Mal erwähnt und nach seiner Geburtsstadt Capo Hoorn benannt. Bis zur Fertigstellung des Panamakanals im Jahr 1914 war die Umschiffung von Kap Hoorn die günstigere Variante vom Atlantik aus zur südamerikanischen Westküste zu gelangen. Auch die Variante Magellanstrasse und Beagle-Kanal, die seit Jahrhunderten schon genutzt wurde, war für Segelschiffe ebenfalls wegen der Wetter- und Strömungsverhältnisse äussert gefährlich. Am Kap Hoorn war und ist vor allem die Passage Atlantik – Pazifik für Handsegler ohne Motor gefährlich und schwierig. Die Westwinddrift fordert von den in dieser Richtung segelnden Schiffen ein ständiges Kreuzen und das bei hohem und starkem Wellengang und Regen, Kälte, schlechter Sicht und ggf. Eisbergen.

Unser Kapitän veranschaulicht uns die Gefährlichkeit Kap Hoorns in einer privaten Unterhaltung mit folgender Seemannsweisheit aus früheren Jahrhunderten : „Wenn du alt werden willst, meide Kap Hoorn und reffe rechtzeitig die Segel“.

Aus den og Gründen gilt Kap Hoorn auch als der grösste Schiffsfriedhof der Welt: Man schätzt mehr als 800 Schiffe und mehr als 10.000 Menschen überlebten die Durchfahrt am Kap Hoorn nicht. Zum Gedenken an diese Seeleute wurde 1992 ein Denkmal auf dem Kap eingeweiht: Ein stilisierter Albatros. Ein Gedicht der chilenischen Lyrikerin für die Ertrunkenen findet man auf einer Tafel in der Nähe:

Soy el Albatros que te espera
en el final del mundo.
Soy el alma olvidada de los marineros muertos
que cruzaron el Cabo de Hornos
desde todos los mares de la tierra.
Pero ellos no murieron
en las furiosas olas,
hoy vuelan en mis alas,
hacia la eternidad,
en la última grieta
de los vientos artánticos.

Ich bin der Albatros, der auf dich wartet
am Ende der Welt.
Ich bin die vergessene Seele der toten Seeleute,
die von allen Meeren der Erde kamen
und vor Kap Hoorn kreuzten.
Doch sie starben nicht
in den tobenden Wellen.
Heute reisen sie auf meinen
Schwingen in die Ewigkeit,
mit dem letzten Aufbrausen
der antarktischen Winde.

Um 6.00 Uhr morgens liegen wir in Sichtweite vom Leuchtturm vor Anker, unser Staff Captain Frau Ursula Nürnberger fährt mit einem Zodiac zur Landestelle und gibt ihr ok! Trotz recht guter Wetterbedingungen bleibt die Anlandung schwierig, der Aufstieg mit über 200 Stufen auf einer wackeligen glitschigen Treppe anstrengend. Nach reiflichen Überlegungen beschliessen Urs und ich nicht auf den Berg hinaufzusteigen und Kap Horn vom Pooldeck und der Observation Lunch zu beobachten und zu fotografieren.

Unser Experte Herr Dr. Lauenstein gibt uns am Abend einige Informationen über den Besuch des Leuchtturms mit einer kleinen Gruppe Wagemutiger:
„Am Leuchtturm wohnt ein freundliches Ehepaar. José der Mann, ein Marienoffizier passt auf, dass Kap Hoorn nicht plötzlich von den Argentiniern eingenommen wird. Normalerweise bleibt eine Familie ein Jahr lang auf diesem kleinen Felsen. José und seine Familie sind aber für zwei Jahre hier, in the middle of nowhere, stationiert. Neben José und seiner Frau Pamela wohnen dort noch die 13-jährtige Tochter Sophia und ihr 6-jähriger Bruder. An einem kleinen Verkaufsstand im Wohnzimmer verkauft Sophia kleine Aquarellbildchen und ihr Bruder Buntstiftkritzeleien. Die Mutter fertigt Strickwaren an.
So schön es auch im Wohnzimmer der Familie ist, wir müssen hinauf auf den Leuchtturm und staunen nicht schlecht, als wir an den Wänden des Turmes entdecken, dass es dort tatsächlich eine Fahne gibt, die grösser als die chilenische Fahne ist – die Fan Fahne von Schalke 04!“

Mitfahrerinnen erzählen uns später, dass der Auf- und Abstieg sehr anstrengend war, da der einsetzende Sturm mit bis zu 80 Stundenkilometer und waagerechtem Regen sehr belastend und ermüdend war.

Der Abend schliesst wie gewohnt mit einem PRE-Cap. Unsere Experten geben wichtige Infos für die nächsten Ziele, den Garibaldi Gletscher und Punta Arenas in Chile.