2023.16 SA

Kapitel 10

Dienstag, 21. November 2023


Isla de los Estados, Südküste

In der Nacht wird uns bewusst: Wir sind auf dem wilden Atlantik! Das Schiff schaukelt hin und her und durch das Kabinenfenster erblicken wir meterhohe Wellen.

Na ja, ob dies eine Zodiac Expedition möglich macht? Aber schon bei der Einfahrt in die grosse Bucht an der Südseite der Insel, wird das Meer ruhig und präsentiert sich wie eine friedlicher See.

Die Isla de los Estados ist eine unbewohnte Insel. Die erste bestätigte Entdeckung erfolgte 1616 durch den Antwerpener Jakob Le Maire, nach ihm ist auch die Le-Maire-Strasse, eine Meerenge, benannt. Sie trennt die Insel von Feuerland. Als der Weg um Amerikas Südspitze der einzige Seeweg von Atlantik zu Pazifik war, wählten einige Schiffe trotz der besonders gefährlichen Passage für Segelschiffe diesen Weg.

Die erste Zodiac Fahrt am frühen Morgen zeigt uns den Vogelreichtum dieser Insel: Austernfischer, die uns mit ihrem speziellen Gesang begrüssen, an den Felsen krächzen Dominikanermöwen und Magellangänse und am Strand schnattern Blutschnabelmöwen.

Im Wasser, nahe am Ufer, entdecken wir einen Kelpwald. Unser Guide erläutert uns dieses einmalige Ökosystem unter Wasser. An den Blätter des Kleis finden wir winzige Schnecken, Muscheln und kleine Asseln.

Die Hauptattraktion der Insel: Eine unzählbare Menge von Felsenpinguinen spazieren, hüpfen, kraxeln, klettern, stolzieren die steilen und rutschigen Felsen hinauf und hinab ins Wasser.

Von Zeit zu Zeit taucht der Kopf eines Seelöwen auf und betrachtet uns, die Eindringlinge, neugierig. Dann kreist ein Riesensturmvogel über uns oder dicht über der Wasseroberfläche auf der Suche nach Beute. Natur pur!

Nach der Rückkehr zum Schiff werden wir mit Tee, Punsch oder Sekt empfangen und können in der Observation Launch diese vielen Eindrücke verarbeiten.

Am frühen Nachmittag werden die Schlauchboote wieder zu Wasser gelassen: Das Wetter ist immer noch gut und wenn man den Himmel positiv betrachtet, erscheint ein ganz klein wenig die Sonne! Es geht zu einer Rundfahrt ans Ende des Captain Cànepa Fjordes. Vor uns liegt eine Landschaft aus steilen hohen Felsen. Wasserfälle stürzen sich in den Fjord.

Dr.Lauenstein erklärt uns, dass die tektonischen Kräfte den Gneis in die Höhe gehoben, senkrecht gestellt und mit vielen Rissen versehen haben.

In den Felsnischen brüten Kormorane. Ein einsamer Riesensturmvogel wird aufgeschreckt und nimmt Reissaus. Am Ende des Fjordes finden die Fotographen das ersehnte Fotomotiv: ein Wasserfall. Wir fahren weiter in einen anderen keinen Fjord, an dessen Ende steile Felsen einen malerischen Hintergrund wie ein Amphitheater geben. Eingerahmt wird das Amphitheater von einem Wald aus zerzausten Südbuchen.

Als wir langsam zum Schiff zurückfahren zeigt sich ein riesiger Seelöwenbulle auf einer Felsplatte „not amused“. Er richtet sich auf, stösst Drohrufe aus und bewegt sich langsam mit einer Drohgebärde hinter einen riesigen Felsbrocken, wahrscheinlich seine Behausung.

Zurück auf dem Schiff gibt es viel zu erzählen und während die Hanseatic den Ankerplatz verlässt, um an der Nordseite der Isla de los Estados zu verholen, mixen die Offiziere im HanseArtium ihren besonderen Aperitif.
Es war ein besonderer, eindrucksvoller Tag!