10-10-2021
Nach dem Frühstück brachen wir auf, um den NO der Insel zu erkunden. Er galt laut Führer bis zum Bau der Autobahn und der weiterführenden Nationalstraße fast immer entlang der Küste als «Armenhaus» der Insel. Wir erlebten eine fast menschenleere wunderschöne Küste, idyllische Landschaften mit gepflegten Picknick-Plätzen und vielen Viehweiden. Zu erwähnen wäre auch, dass sich in diesem Teil der Insel der höchste Berg der Insel befindet, der Pico da Vara mit 1103 m. Leider sahen wir nicht viel von ihm: Er hatte sich in Nebel gehüllt.

Also, wir nahmen von Ponta Delgada die Autobahn bis Agua de Pau und folgten der Beschilderung den Hügel hinauf zur „Emida da Nossa Senhora da Paz“.


Sie ragt über Vila Franca do Campo, den Küstenabschnitt, den vielen Ananstreibhäusern und den weiten Atlantik. Von ferne sieht man den steilen Treppenaufgang mit 10 Treppenabsätzen und Azulejos, den blau-weissen Kachelbilder. Die Kapelle stammt aus dem 16.Jhrdt, wurde in der Neuzeit oft erneuert und erweitert. Ein Schäfer hatte laut Legende hier die Erscheinung der Mutter Gottes.
Wir erstiegen die Treppen, nicht wie viele Gläubige beim Pilgern auf Knien und bewunderten die Anlage und die Aussicht! Beim Absteigen hatte Urs ein kleines Erlebnis:
Im Garten neben dem Parkplatz arbeitete ein Bauer an den Bananenstauden. Urs wartete neben dem Auto auf mich. Der Bauer kam auf Urs zu und reichte ihm einen Bananenstrunk. Urs machte ihm deutlich, er möchte ihn nicht kaufen. Der Mann schüttelte den Kopf und sagte, das sei einfach ein Geschenk und ging wieder zurück an seine Arbeit. Wir waren beide so überrascht und auch beschämt.
Wir setzten unsere Reise fort bis Ponta Garça, einem kleinen Ort mit etwas touristischem Flair, verließen hinter Ponta Garça die Nationalstraße R3-2 Richtung Lagoa das Furnas. Das Städtchen Furnas liegt mitten in einer Parklandschaft. Man fährt/geht an kleinen Bauernhöfen, aber auch an herrschaftlichen Villen vorbei.
Zu den Attraktionen Furnas gehören die großen Parks, vor allem der Parque Terra Nostra, dessen Ursprung auf den amerikanischen Kaufmann Thomas Hickling zurückgeht, der hier ein Sommerhaus erbaute. Dieses Anwesen ging später in den Besitz des Visconde da Praia über. Er und seine Nachkommen vergrösserten schrittweise Haus und Garten. Seit 1935 ist das Haus und der Park im Besitz eines Hotelunternehmens, das das Anwesen ständig weiter ausbaut. In einem Führer habe ich gelesen, dass es auf dem ungefähr 12ha großen Gelände an die 2485 Bäume aus aller Welt gibt. Da der Park privat ist, ist der Zugang nur zu bestimmten Zeiten möglich. Wir konnten ihn leider nur von außen bewundern.

Außer dem Parques Terra sind aber in Furnas vor allem die dampfenden Fumarolen (hier nennt man sie Caldeiras) bekannt. Schon von weitem riecht man den Schwefel, kommt man näher, sieht man eine Unmenge von Dampfquellen im blubberden Waldboden. So könnte man sich «Teufels Küche» vorstellen.
Zwischen den Dampfquellen sind Erdlöcher in den Boden eingegraben, in denen die Spezialität von Furnas gekocht wird: Cozido. Es ist ein Eintopf aus Rind- und Schweinefleisch, Huhn, Würsten, Kartoffeln, verschiedenen Gemüse und Kräutern. Das Kochen in den Vulkanlöcher verleiht dem Gericht eine besondere Note. Wir haben es nicht probiert, da wir für heute noch einiges vorhatten.
Nach einem ausgedehnten Spaziergang durch Teufels Küche und am Lagoa das Furnas entlang, setzten wir unsere Inselfahrt in Richtung Provoação fort.
Ich hatte in einem Führer gelesen, dass es dort ein hervorragendes Fischrestaurant gäbe. Das wäre etwas fürs Mittagessen! Nach einigem Suchen fanden wir das Restaurant in der Fussgängerzone des Städtchens. Das Essen war einfach super.
Nach diesem ausgiebigen Mittagessen ging die Fahrt weiter entlang der sehr felsigen und steilen Küste. Wir fanden kaum größere Ort, dagegen kleine Hausansammlungen, meist Bauernhöfe. Es war die Zeit des Melkens und die Straße wurde von vielen Kuhherden in Besitz genommen, die sehr diszipliniert ihrem Kuhstall zueilten. Der einzige größere Ort ist Nordeste. Früher galt Nordeste als ärmlich, zurückgeblieben und bäuerlich. Wir erlebten es als einen sympathischen Ort, ruhig mit einem kleinen und hübschen Zentrum und einem Fischerhafen am Ende des Ortes. Nun hatten wir das Ende der Insel im Osten erreicht und bogen zum Nordteil der Insel ab.
Kurz hinter Nordeste beginnt, die von der EU geförderte Autobahn, mit der der Norden der Insel wirtschaftlich gefördert werden soll. Wir folgten der Küste auf dieser Autobahn, die in Ribeira Granda die Nordküste in Richtung Lagoa verlässt. Es begann schon dunkel zu werden und wir wurden an der Küste noch mit einem herrlichen Sonnenuntergang verabschiedet.


































