Kapitel 17
Dienstag, 28. November 2023
El Brujo Gletscher / Chile
Expeditionstag
Schon ab 8.00 Uhr werden die einzelnen Farbgruppen zur Expedition „Cruising mit einem kleinen Twist mit den Zodiacs vor dem Hexen-Gletscher“ aufgerufen. Nach vergeblicher Suche nach einer geeigneten Landestelle entschied man sich „nur“ ein Zodiac-Cruising ohne Anlandung durchzuführen.
Da es mir seegangsmässig nicht gut geht, verzichte ich schweren Herzens auf die Zodiacfahrt und verfolge die beiden Gruppen aus der Observation Lounge und dem Deck.



Es geht in zwei Gruppen in die Zodiacs auf eine etwa 60-minütige Rundfahrt am und um den Gletscher. Der El Brujo kalbt nicht ständig, aber immer mal wieder, begleitet von einem unheimlichen Donnern und Krachen, das man auch bis ins Innere unseres Schiffes hört. Die Zodiacs, die vor dem Gletscher fahren, werden von den Wellen nur sanft geschaukelt. Allerdings unterscheidet sich die Situation der ersten Gruppe doch ziemlich von der Lage der zweiten Gruppe, in der sich Urs befindet. Hatte die erste Gruppe sogar noch teilweise Sonnenschein und Windstille so hat es Gruppe zwei wesentlich schwerer. Urs berichtet später, dass nach einer noch ruhigen Fahrt zu einem wunderbaren und engen Canyon mit mehreren Wasserfällen, plötzlich mehrere Böen herankommen, die die Zodiacs erfassen und vom Kurs abschieben. Der Himmel wird grau, der Wind wird zum Sturm und dazu schlagen uns dicke Regentropfen und Hagelkörner ins Gesicht. Trotzdem kämpfen sich die Boote durch dichtes Eis bis zur Gletscherfront vor, machen schnell ein paar Fotos und quälen sich dann durch das immer dichter zusammengedrängte Eis und den Hagelsturm zurück zum Schiff. Aber das ist Patagonien, ebenso freundlich wie gnadenlos grausam – und das alles innerhalb weniger Minuten.





Für Urs war es ein echtes Patagonien-Abenteuer und zurück an Bord werden die „Abenteurer“ dann auch gleich mit einem guten Heissgetränk empfangen. Urs verschwindet sofort in die Kabine unter die heisse Dusche.
Auf mich wirken die Eisstücke, die den gesamten Fjord durchschwimmen wie wahre Kunstwerke.




Bei der Ausfahrt aus dem Fjord gibt es noch ein Highlight: Wir haben Zuschauer!


Am Nachmittag dann noch einmal zwei Vorträge. Dr. Harald Benke berichtet über „Lärm im Meer – was natürliche Geräusche und menschengemachter Lärm für die Meere bedeuten“. Der bekannte Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau stellte die Unterwasserwelt der Meere in seinem Film „Die schweigende Welt“ aus dem Jahr 1956 noch als stille Welt dar. Jedoch ist es in den Meeren bei weitem nicht still. Jüngste Forschungen zeigen, dass die Tierwelt durch den zunehmenden Lärm unter Wasser stark beeinträchtigt wird. In dem Vortrag werden natürliche Geräusche sowie der von Menschen produzierte und in den vergangenen Jahren stark zugenommene Lärm vorgestellt. Es werden aber auch Möglichkeiten aufgezeigt, diesen menschengemachten Lärm zu reduzieren.
Unser Expeditionsleiter, von Haus aus Ethnologe, hat noch einen zweiten Teil über die Indianer Patagoniens für uns bereit. Diesmal berichtet er über die Yaghan – See-Nomaden , eine der vier ethnischen Gruppen, die bis Anfang des 20. Jahrhunderts als Wassernomaden auf Feuerland siedelten. Sie wurden im Zuge der Besiedelung durch weisse Siedler bereits Anfang des 20. Jahrhunderts fast vollständig ausgerottet.
Kurz danach stellt uns Dietmar Neitzke im Precap unsere letzte Anlandung dieser Reise vor, Caleta Tortel. Unser Biologe Dr. Andreas Mieth hat sich wieder der Fauna angenommen, die wir gestern und heute gesehen haben und Christian Walter stellt uns zwei Bücher über Darwin vor (eins davon in Comic-Form) und empfiehlt uns letztlich dann doch Primärliteratur.
Nach dem Abendessen begeben wir uns in unsere Kabine und hören dem klassischen Klavierkonzert von unserem Ozeanpianisten vom Bildschirm gemütlich im Bett zu!
Übrigens finden wir auf unserem Bett eine Nachricht der Rezeption:“ Alle in Puerto Montt aussteigenden Gäste, können gerne ab jetzt an der Rezeption ihre Pässe abholen“.
Es wird ernst, die Fahrt geht zu Ende!