2021.16 Kreuzfahrt Tag 8

21-10-2021

Santa Maria

Wer in unserem Alter erinnert sich nicht an den Schlager von Roland Kaiser: Santa Maria, Insel die aus Träumen geboren“. Nun, um 7.00 Uhr erreichte die Hanseatic ihren Ankerplatz vor Vila do Porto auf dieser Insel. Santa Maria ist nicht aus Träumen geboren, sondern hat sich vor ungefähr 8-16 Millionen Jahren aus den Fluten des Atlantiks erhoben. Sie ist die älteste Insel des Archipels. Sie ist die Insel mit den schönsten Sandstränden und angenehmen Wassertemperaturen und den meisten Sonnenstunden der Azoren. Die Bewohner leben von der Landwirtschaft: Sie züchten Rinder und Schafe. Sie ist aber auch ein Geheimtipp für Touristen und ein biologischer Hotspot. Im Sommer kommen hier viele verschiedene Meerestiere auf ihrer Durchreise durch den Atlantik vorbei. Das ganzjährig milde Klima erlaubt das Wachsen vielerlei tropischer und subtropischer Pflanzenarten.

Auf Santa Maria bleibt die Zeit stehen, Hektik, beschäftigtes Treiben wird man hier unter den knapp 5.500 Einwohnern vergebens suchen. Die einzige Ampel Santa Marias symbolisiert diesen entschleunigten Lebensstil.

Hauptort ist Vila do Porto. Sie war mein Ausflugziel „Geführter Rundgang durch Vila do Porto“ mit unserem Vulkanexperten Wolfgang Blümel. Als das Tenderboot mich an der Pier absetzte, war außer mir nur noch unser Experte da. Also marschierten wir beide los!

Das Leben spielt sich in Vila do Porto hauptsächlich entlang der Rua Dr. Luis Bettencourt ab, die vom Hafen steil nach oben führt. Hier liegen fast alle städtischen Einrichtungen wie an einer Kette aufgereiht. Wir besichtigten das Rathaus, das sich im ehemals ersten Franziskanerkloster der Azoren befindet.

Was mich besonders anzog, waren auf dem Vorplatz wunderschönen Wandmalereien.

Interessant ist aber vor allem das Santa-Maria-Museum in der Rua Frei GonçaloVelho, das ehemalige Haus des Kapitäns Done João Soares de Sousa mit seinen Fenstern aus dem 15. Jhrdt. Im Museum findet man Ausstellungen über berühmte Persönlichkeiten und Ereignisse der Insel wie z.B den Besuch Christopher Columbus. Er ankerte auf seiner Heimreise von Amerika vor Anjos. Herr Blümel und ich schlenderten durch die Ausstellung und er gab mir in einer Privatführung sehr informative und lustige Auskünfte über die Insel.

Besonders lehrreich für mich war der Besuch des Umweltinterpretationszentrum Dalberto Pombo / Casa dos Fóssels, ein hochmodernes kleines Museum über die faszinierende geologische Geschichte, über Fauna und Flora der Insel und eine Würdigung des Naturforschers Dalberto Pombo.

Nach sovielen Geschichten, Informationen und neuen Erkenntnissen beschlossen wir beide die Tour gemütlich in einem Café bei netter Unterhaltung ausklingen zu lassen.

Igrea Nossa Senhora da Assunçã0

Aspekte von Vilo do Porto

Urs hatte sich für eine Küstenwanderung zum Formosa- Strand entschieden. Von der Pier führte die Wanderung entlang der Küste

zum Praia Formosa, einem weißen Strand. Die Wandergruppe durchquerte typische Bauerngemeinden, idyllische Wald-Buschlandschaften, entlang der von Kakteen gesäumten Küstenhänge zu den Höhlen von Figueiral.

Hier befinden sich Abbaustätten von Kalkstein und man kann versteinerte Muschelfossilien finden, die stille Repräsentanten einer längst vergangenen Zeit.

Der Pfad windet sich weiterhin in viele Kurven und es geht langsam durch eine fast mediterrane Vegetation hinab zur Küste. Den restlichen Weg nach Praia Formosa legt man entlang der Küste zurück. Der Weg ist anspruchsvoll und etwas gefährlich, aber am Ziel der Praia Formosa wird man für alles entschädigt.

Mit dem Bus fuhren die Wanderer zurück zur Pier und weiter mit dem Tender zum Schiff. Man freute sich wieder zurück zum Schiff zu fahren, wie schön nach der Anstrengung wieder nach „Hause“ zu kommen! Die Wellen schienen auch wieder mächtiger geworden zu sein, das Wasser glitzerte silbern am Horizont, die Gischt wurde immer größer. Die Rückfahrt war, sagen wir so, sehr abenteuerlich. Die kompetente Crew managte das Manöver trotz der widrigen Bedingungen mit Ruhe und Humor, was will man mehr. Tatsächlich wurde uns der Unterschied zwischen Kreuzfahrt und Expedition noch einmal deutlich vor Augen geführt. Wir sind jetzt alle um eine Abenteuer-Geschichte reicher.

Um 14.00 Uhr verließ die Hanseatic Santa Maria und das Azorenarchipel. Sie nahm Kurs auf Funchal/Madeira. Eine Distanz von ca 485 nautischen Meilen lag vor uns. Nach dem „zVieri“ hielt unsere Expertin Andrea Steffen einen interessanten Vortrag über „Delfine – Erfolgsmodelle der Evolution“. Das Abendprogramm sah vielversprechend aus. Vor dem Abendessen luden uns die Offiziere am Pooldeck zu Apéros ein, die sie eigenhändig mixten. Manch einer der Gäste erreichte das Abendessen auf etwas wackeligen Beinen. Urs und ich genossen noch einmal die Abendstimmung auf dem Lido!