2018.9 Canacari, Parintins, Alter do Chao, Guajara

06.05.2018 – 09.05.2018

Canaçari

Die Bremen erreichte Canaçari morgens um 7.00 Uhr bei bedecktem Himmel und 26 Grad. Aber schon während des Frühstücks auf der Terrasse bemerkten wir die Schwüle. Auch die Sonne brannte und wir wussten jetzt schon aus Erfahrung, es wird bis Mittag einen ordentlichen Regenschauer geben! Um 9.00 Uhr fuhren wir mit dem Zodiac in einen der Seitenarme des Amazonas. Der Regenwald verschwindet und wir befinden uns in der weiten Uferlandschaft mit Kulturland: Bananenplantagen, Weideland mit afrikanischen Zeburindern. Da wir als letzte Gruppe die Kanäle durchstreiften, war die Tier-und Vogelwelt schon geflüchtet. Die ersten Gruppen erzählten uns von Eisvögeln und Leguanen, aber die Zodiacs mit ihren lauten Außenbordmotoren hatten alle vertrieben. Das ist halt der Kompromiss, den man mit einem Kreuzfahrtexpedition eingehen muss: Bequemlichkeit und Komfort, dagegen „Massenauftrieb“, fremdgesteuert und durchorganisiert. Aber für Urs und mich kein Problem: Das nächste Mal ist unsere Gruppe zuerst dran! Nach unserer Rückkehr nahm die Bremen Kurs auf Furo auf. Wir hatten ein wunderbares Mittagessen und eine Siesta. Heute am Sonntag ist Ruhetag und wir werden lesen, die Landschaft bewundern und aufs „zVieri“ und Abendessen „warten“. Ein Glück gibt es hier keine Körperwaage!

07.05.2018

Parintins

Es gibt Tage an Bord, die sind zum Entspannen, zum Rekapitulieren des Gesehenen und natürlich zum Verwöhnen lassen, aber auch Tage, da jagt ein Programmpunkt den anderen!

Und solch ein Tag war der 07.05. Die Bremen hat über Nacht bei Furo dos Botos geankert. Um 5.30 Uhr klingelte der Wecker, da unsere „Blaue Truppe“ als erste die Zodiacfahrt in die Seitenkanäle des Flusses unternahm. Die Luft war morgens so früh warm, aber angenehm und die Bootsinsassen noch schön ruhig und still (manche noch im Halbschlaf), so dass wir ein sehr schönes Naturerlebnis hatten. Wir hörten die alles durchdringenden Laute der Brüllaffen, das ohrenbetäubende „Gespräch“ der Arras Papageien, wir beobachteten ein Faultier, Totenkopfäffchen und eine Unzahl verschiedener Vogelarten, deren Namen ich nicht behalten konnte. Der Vogel, der mir am besten gefiel, war der Rotkopfspecht , der fleißig riesige Löcher in einen Baum schlug! Das Gebiet am Furo dos Botos besteht aus gefluteter Savanne mit Galeriewäldern. Einige Teile werden bewirtschaftet und beim Vorbeifahren sahen wir einige Ausschnitte des Lebens am Fluss: Eine Frau, die die Wäsche im Fluss wusch, Kinder, die mit dem Schulboot zur Schule abgeholt wurden, Fischer, die mit den Netzen hinausfuhren und einen Mann, der sein Pferd mit Shampoo im Fluss „duschte“!

Bei der Rückkehr begann es zu tröpfeln, aber wir schafften es noch trocken zum Schiff zurück. Kurz zum Wetter: Es ist natürlich immer warm, jedoch bemerken wir immer mehr die Feinheiten der Wärme, mal weniger warm, mal schwüler, mal warm mit leichtem Wind….Der Himmel ist sehr oft bedeckt, es gibt meist um die Mittag- und Abendzeit einen Tropenschauer und manchmal ein Gewitter! Es ist Regenzeit, die bis Mitte Juni dauert. Nur in dieser Zeit kann die Bremen hier fahren, sonst ist die Fahrrinne nicht tief genug.

Um 11.00 Uhr verließ die Bremen Furo dos Botas mit Ziel Parintins. Parintins ist mit über 100 000 Einwohner die zweitgrößte Stadt im brasilianischen Bundesstaat Amazonas. Sie liegt auf der Insel Tupinambarana. Bekannt geworden ist die Stadt durch das alljährliche, Ende Juni stattfindende Volksfest rund um den populären Tanzzyklus „Bumba-meu-boi“( Steh auf, mein Ochse): Eine dramatische Geschichte um einen Ochsen. In einem Wettstreit konkurrieren zwei Parteien: die Blauen ( Boi Caprichoso) und die Roten (Boi Garantido) um die gelungenste Aufführung des Tanzspiels in einem monatelang von der ganzen Stadt vorbereitenden Umzug. Die mit farbenfrohen Tänzen und prächtigen Kostümen verbundene Darbietung à la Karneval in Rio der beiden Parteien wird von einer Jury bewertet. Für dieses Fest gibt es ein eigenes Stadion, das in Anlehnung an das Sambódromo im Karneval in Rio hier Bumbódromo genannt wird.

Wir, das gesamte Schiff, sollten an einer Probe der „Roten“ teilnehmen. Dazu mussten wir uns alle rot anziehen! Ich hatte zufälligerweise ein rotes Kleid mit, aber Urs hatte nichts Rotes. Also mussten wir vorab in die Stadt. Wir suchten zunächst eine Bank um Realos zu tauschen und dann das richtige TShirt – Geschäft. In diesem Geschäft fanden wir das halbe Schiff wieder auf der Suche nach etwas Rotem! Urs bekam ein rotes Hemd! Ich zwei Paar Schuhe (!) Wir zogen weiter, als plötzlich ein richtiger Tropenschauer über uns hinweg ging. Zunächst versuchten wir unser Glück unter kleinen Vordächern, aber es wurde immer heftiger und wir flüchteten in ein kleines Restaurant. Dort trafen wir auf unseren Kapitän mit Frau, mit denen wir in geselliger Runde das Ende des Regens abwarteten! Ein Teil der Passagiere ließ sich auf Fahrradtaxen/ Rikschas im Regen durch die Stadt kutschieren! Wir zogen per pedes weiter.

Dann kam der Abend: Für die Ausbootung hatte das Schiff zwei „Gaiolas“ bestellt, das sind die lokalen Flussschiffe ohne Stühle (für uns wurden Plastikgartenstühle aufgestellt), aber mit Haken für die beliebten Hängematten. An Land angekommen, stiegen wir in Busse und fuhren zur Garantido Arena. Es ergoss sich eine „rote Menschenmasse“ in die Arena, geschmückt à la carneval. Vor dem Eintritt bekam jeder seinen Caipirinja und dann begann die Show mit atemberaubenden Tänzen, Farben, Bewegungen, Musik. Uns gefiel die Show sehr, jedoch muss ich eingestehen, die Musik war mir zu laut, so dass nach einiger Zeit mein Kopf unsagbar dröhnte. Auch machte sich der lange Tag seit 5.30 Uhr bemerkbar! Nach Rückkehr zum Schiff schaffte ich es nicht mehr zur Schiffsparty mit flotter brasilianischer Musik, Imbiss und Freibier. Ich verschwand ins Bett!

08.05.2018 

Alter do Chão

Der Morgen begann sehr gemütlich: Als wir um 8.00 Uhr zum Frühstück gingen, fanden wir den Lido, wo man sonst um einen Platz Ausschau halten muss, leer. Die Serviertochter lehnte gelangweilt an der Reling: „Ein Glück, dass ihr kommt…“ Der gestrige Abend schien für einige sehr lange gedauert zu haben (das Freibier floss reichlich..) Nach einem sehr ruhigen und reichlichen Frühstück, verschwand ich in die Kabine um am Blog weiter zu schreiben. Wir hatten am Vormittag nur noch einen Termin vor dem Mittagessen: Die Vorschau auf die verbleibenden Ziele der Reise. Mit Wehmut vernahmen wir, dass morgen die letzte Zodiac-Ausfahrt vor Belem stattfindet. Wirklich schade: Seit unserer ersten direkt nach Iquetos haben wir uns verändert: Das Procedere des Ein-und Aussteigens klappt nun wie geschmiert, niemand drängelt, steht auf oder fällt „unangenehm“ auf, es herrscht Stille bei den Fahrten um die Vögel besser zu finden, zu beobachten. Wir entdecken immer öfter versteckte Tiere, Pflanzen und sind auch mit kleinen Details glücklich. Auch ich bin ruhiger geworden und flippe nicht aus, wenn direkt in Nähe unseres Zodiacs Delfine auftauchen!

Um die Mittagszeit erreichten wir Alter do Chão, einen kleinen hübschen Ferienort mit Karibikflair! Da er eine befahrbare Straße nach Santarém besitzt ist dieser Ort aus seinem Dornröschenschlaf erwacht: Viele der neu gebauten Häuser werden als Wochenendresidenz der Städter genutzt! Also auch für Europäer ein Anlageobjekt: Wer möchte 1 Million investieren?

Alter do Chão liegt am Ufer des Klarwasserflusses Rio Tapajós und des Lago Verde. Auf eigne Faust besuchten Urs und ich den Ort, suchten nach Leguanen, suchten einen Bancomaten um Realos zu ergatterten und ließen uns einfach treiben!

Mit dem Zodiac-Pendelservice fuhren wir zurück zum Schiff und dann an einen wunderschönen Strand, der noch nicht wegen der Regenzeit überflutet ist. Es war wirklich wie in der Karibik! Wir verbrachten den Nachmittag mit vielen Crew-Mitglieder bis zum Sonnenuntergang unter einem schattigen Baum, schwammen im warmen Wasser, hatten das vom Schiff organisierte zVieri und genossen diese zwanglose Atmosphäre mit Aqua Coco (frisches Kokosnusswasser). Am späten Nachmittag erschien unser Amazonas-Urgestein John mit einer Gitarre und spielte die alten Beatle-Songs und vieles mehr. Wir sangen lauthals mit und waren alle plötzlich wieder jung. Die Wanderung auf den Morro da Pira Oca, einen kleinen Berg (Hügel) ließen wir aus, da wir bei 30 Grad lieber im Sand lagen. Es gab gegen Abend noch einen Beach-Sundowner, der die Stimmung noch weiter anhob! Der Abend klang mit einem lustigen Abendessen an unserem Tisch 37 aus! Um 22.00 Uhr nahm die Bremen Kurs auf Virassaia auf!

09.05.2018

Virassaia, Guajará.

 

Die Wettervorhersage: Vormittags bedeckt, später Auflockerung und Regenschauer, 27 Grad. Also Typisches Amazonas Wetter in der Regenzeit. Unsere Zodiac-Ausfahrt begann um 8.15 Uhr und führte uns durch Kulturland, überflutete Savannen und Uferwälder. Die kleine Siedlung am Seitenarm des Amazonas mit Namen Guajará zeigte ein anderes Bild von Siedlung wie wir es bisher kannten. Wir sahen sehr saubere und mit Blumen geschmückte Holzhäuser sowie kleine Bootsbaubetriebe. Eine Vielzahl von Vogelarten, unzählige Delfine und die speziellen Amazonaspflanzen begleiteten unsere Ausfahrt.

Nach Rückkehr, Mittagessen und Siesta erfolgte die 2. Zodiac-Ausfahrt, leider die letzte! Das Schiff hatte Virassaia um 11.00 Uhr verlassen und ankerte um 14.00 Uhr am Seitenarm des Amazonas mit Namen Guajará. Die Nachmittags- Zodiac-Fahrt führte uns zu einer kleinen Siedlung mit Wasserbüffel. Ihre Geschichte hier im Amazonasgebiet ist interessant: Als im Jahr 1920 ein Schiff aus Asien vor der Küste Brasiliens Schiffbruch erlitt und sank, konnte sich eine kleine Herde von Wasserbüffeln retten und auf die Insel schwimmen. Die Herde überlebte und breitete sich über die Region aus. Heute sind die Tiere domestiziert und aus ihrer Milch wird Büffelmozarella hergestellt. Wir staunten: Die Tiere suchten schwimmend alleine ihren „Stall“ am Abend auf, um die Nacht auf trockenem Boden zu verbringen. Wenn ich da an den Aufwand denke, den die Bauern in Riggisberg haben, um die Kühe am Abend von der Weide in den Stall zu bringen?!

Neben Wasserbüffeln sahen wir noch zwei Faultiere, Leguane, Delfine und natürlich jede Menge Vögel und die Weite des Flusses, der uns immer wieder an ein Meer denken lässt

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Der Abend stand ganz im Zeichen des Abschiedsessens für die Passagiere und Crew-Mitglieder, die in Belem das Schiff verlassen. Urs musste wieder einmal eine Krawatte anlegen (!), ich mich „auftakeln“ und ab gings zuerst zum Abschiedscocktail, dann zum Abendessen. Zum Abschluss des Abends gab der Shanty Chor der MS Bremen ein kleines Abschiedskonzert, die Souvenir-Seekarte wurde verlost (wir gewannen nichts!). Der Erlös der Verlosung geht zu 50% für das Projekt Amazonasdörfer der Hapag Lloyd und 50% für den Crew-Fund (Gemeinschaftskasse der Besatzung). Es war wirklich ein gelungener Abend mit ein paar Abschiedstränchen: Wir hatten auf dieser Reise nette Leute kennen und schätzen gelernt!