Das Elsass

„Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah“

„Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah.
Lerne nur das Glück ergreifen,
Denn das Glück ist immer da.“

Getreu nach Goethe wollen wir 2024 unsere Füsse auf europäischem Boden belassen.  Das Elsass hat uns schon in der Vergangenheit und auch heute immer wieder angezogen und begeistert.

So kam es, dass wir im Frühjahr 2024 drei Mal hintereinander mit Freunden das Elsass bereisten.

Ausgangspunkt ist/war das kleine Örtchen Kientzheim, 1km östlich von Kaysersberg auf der «Route du vin» und/oder der etwas grössere Ort St-Hipployte. In Kientzheim kann man sehr stilecht in einem ehemaligen Kloster, in der «Abbaye d’Alspach»( https://www.hotel-abbaye-alspach.com/de) übernachten. Das alte Kloster wurde in ein Hotel mit altem Flair, aber modernem Komfort umgewandelt. Sehr ruhig in der Nähe von Weinbergen gelegen, ist Colmar, die Haut- Koenigsbourg, Ribeauvillé, Riquewihr, Kaysersberg, Eguisheim etc schnell zu erreichen.

Fünf Minuten vom Hotel zu Fuss entfernt gibt es zwei hervorragende Restaurants, wo es sich lohnt ein längeres Abendessen zu genießen: Die Hostellerie Schwendi (https://www.schwendi.fr/) und das Restaurant Cote Vigne (https://cote-vigne.fr/restaurant/restaurant-gastronomique-a-kientzheim/). Die vielen Male, die wir diese Restaurants besuchten, haben wir es nie bereut und vor allem, das Hotel ist zu Fuss um die Ecke, so dass man ruhig den guten Elsässer Wein genießen kann!

Aber auch St-Hippolyte eignet sich zur Erforschung der «Route du vin» Es liegt etwas nördlicher als Kientzheim, direkt unter der Haut-Koenigsburg. Auch hier können wir ein Hotel sehr empfehlen: »Le parc» ( https://www.le-parc.com/de/). Es ist vom Komfort anspruchsvoller (teurer!). Das Restaurant des Hotels ist ebenfalls zu empfehlen! Man muss auch sagen, dass es das einzige in St-Hippolyte ist, das für ein etwas gehobenes Essen in Frage kommt.

Ribeauvillé, Riquewihr, entzückende kleine Orte, die genau den Vorstellungen entsprechen, die man von elsässischen Weindörfer hat: Bunt geschmückte Fachwerkhäuser, viele kleine Restaurants, kleine Souvenirgeschäfte, prächtiger Blumenschmuck, alte Häuser und schlendernde Touristen aus allen Herrenländer. Wie schön ist es durch Ribeauvillé zu bummeln, in einem kleinen Restaurant beim einem Glas Gewuerztraminer oder Riesling eine Pause zu machen und «über Gott und die Welt» zu diskutieren. Ribeauvillé wurde von der mächtigen elsässischen Dynastie Ribeaupierre, auf alemannisch Rapoltstein, im 13.Jahrhundert gegründet. Drei Festungen wurden errichtet, von denen man noch die Reste im Ort bestaunen kann. Im Jahr 1481 übernahmen die Ribeaupierre die Schirmherrschaft über die «joueurs d’instruments» des Elsass. Am 8.September, Maria Geburt, versammelten sich im Mittelalter alle Musiker des Elsass in Ribeauvillé zu einem grossen Fest, dem «Pfifferdaj». Diesen Brauch gibt es auch heute noch. Bekannt ist Ribeauvillé heute durch die Mineralwasser Marke Carola, die in der Umgebung ihre Quellen hat.

Riquewihr: Glücklicherweise entging die Stadt den Zerstörungen der beiden Weltkriege und so kann man die alten Häuser in ihren Ursprungsformen noch heute bestaunen. 1324 erlangte der befestigte Ort die Stadtrechte und gelangte im Laufe der Jahrhunderte bis zur französischen Revolution in den Besitz der Grafen von Württemberg – Montbéliard. Mit fast 1 Million Touristen bei 1200 Einwohner im Jahr ist Riquewihr der am häufigsten besuchte Weinort im Elsass. Und übrigens: In der Kellerei Dopff, eine der ältesten des Elsass, wurde zum ersten Mal ein Crémant hergestellt.

Kaysersberg: Ebenfalls eine mittelalterliche Ortschaft mit einem Schloss auf einer Anhöhe, von wo man eine schöne Sicht auf die Stadt und die umliegenden Weinberge hat. Bekannz ist Kayserstadt aber auch durch Albert Schweitzer. Hier wurde er am 14.Januar 1875 geboren. Organist, Musikwissenschaftler, Schriftsteller, Pfarrer und Arzt kämpfte er in Afrika gegen Unterwicklung und Krankheiten. 1953 erhielt er dafür den Friedensnobelpreis. Er starb 1965 in Lambarene (Gabun), wo er ein grosses Krankenhaus gründete, das bis heute sein Lebenswerk fortführt. Neben seinem Geburtshaus, 12, rue du Général-de-Gaulle, zeigt ein kleines Museum Dokumente, Fotos und Andenken seines Lebens. Weiterhin sehenswert ist die Kirche aus dem 12.-15.Jahrhundert. Mir persönlich gefallen die Kirchenfester aus dem 15.Jahrhundert, besonders der gekreuzigte Jesus mit den beiden Verbrechern an seiner Seite.

Beim Bummeln durch die Stadt stösst man immer wieder auf alte Brunnen z.B. Den Puits Renaissance in der Grand-Rue, alten Brücken in mitten von mittelalterlichen Häuserreihen und dem Musée communal. Kleine Restaurants und Weinstuben laden überall zu einer «Dégustation» ein!

Haut-Koenigsburg

Ein Wahrzeichen des Elsass ist sicherlich diese «Burg», auf einer Anhöhe von 800m gelegen, mit einer wunderbaren Sicht (wenn das Wetter es erlaubt!) in die Rheinebene, den Schwarzwald und die Vogesen. Manche Touristen glauben die Spitze des Mont Blanc erspäht zu haben, leider konnte ich sie bei unseren vielen Besuchen nicht erkennen.

Erbaut wurde die Burg im 12.Jahrhundert, aber im Laufe der Jahrhunderte immer wieder zerstört, wieder aufgebaut, wieder zerstört. Sie verharrte bis zum 19.Jahrhundert als grosse Ruine. 1865 übernahm Sélestat diese Ruine, jedoch fehlte ihr das Geld sie vollständig wieder aufzubauen.1871 bot die Stadt die Ruinenburg Kaiser Wilhelm II (Das Elsass war nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870-71 vom Deutschen Reich annektiert) 1899 an. Wilhelm II restauriert sie vollständig und wollte damit ein Zeichen der Macht und der deutschen Präsenz in den Vogesen schaffen. Nach sieben Jahren wurde die Burg in Gegenwart Wilhelm II eingeweiht, der sie nur einmal besuchte. Zehn Jahre später wurde sie wieder französisch. Durch den Vertrag von Versailles (1919) wurde die Güter der deutschen Krone Eigentum Frankreichs, das damit auch die Haut-Koenigsburg erhielt.

Die heutige «Haut-Koenigsbourg» ist das Restaurationsergebnis des Architekten Bodo Ebhardt zu Beginn des 20.Jahrhunderts (von 1900-1908). Die Arbeiten erfolgten nach Anweisungen Wilhelm II., mit dem Ziel, aus der Burg keine Residenz, sondern ein mittelalterliches Museum zu machen. Nach Wilhelm II sollte sie ein Symbol des wiederhergestellten Kaiserreiches und der germanischen Vergangenheit im Elsass sein.

Ein kleiner Spaziergang von der Hauptstrasse in Richtung Burgeingang, vorbei an einem kleinen Restaurant, ist besonders im Frühling und im Herbst wunderschön. Das Erkunden des Burginnern ist zum Teil eine kleine sportliche Herausforderung, treppauf, treppab. Aber der Ausblick besonders in Richtung Rheinebene lässt die Anstrengungen vergessen!

Eguisheim

Ein kleiner reizender Ort ganz in der Nähe von Colmar. Manchmal ist der Ort so voller Touristen, dass man «Platzangst» bekommt. Früh am Morgen zeigt es seinen Charme: Die kleinen gepflasterten Strassen, die bunten Fachwerkhäuser, die aussehen, wie in den Zeichnungen mit und von Hansi.Es gibt viele Galerien, Ateliers, Weinkeller und -stuben und zwei grosse Renaissance Brunnen.

Colmar

Colmar ist für uns beiden die anziehendste Stadt im Elsass: Von uns aus «schnell» erreichbar, einfach schön, voller Geschichte und Leben. Hier trifft Frankreich auf Deutschland, beide Kulturen vereinigen sich, um ein besonderes Ambiente zu schaffen.

Colmar wurde erstmals im 9.Jahrhundert erwähnt und wuchs im Laufe der Jahrhunderte zu einer bedeutenden Stadt. Während der Geschichte zwischen Frankreich und Deutschland hin und her bewegt, wurde Colmar im 17.Jahrhundert von den Franzosen erobert. Nach Ende des Deutsch-Französischen Krieges im Jahr 1871 gehörte das Elsass wieder zu Deutschland. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Stadt an die Franzosen zurückgegeben, während des Zweiten Weltkrieges wieder von den Deutschen besetzt. Es war die letzte Stadt in Frankreich, die am Ende des Krieges befreit wurde und seitdem französisch ist.

Mit dem «Petit Train» kann man sich sehr gut einen ersten Überblick über die Altstadt verschaffen. Alle Häuser sind bunt gestrichen und sehr gepflegt. Die schönen Fachwerkhäuser sind mit Laternen, zahlreichen Figuren, Herzen und Wandmalerei dekoriert. In ihnen befinden sich hübsche Boutiquen, in denen lokale Produkte wie Schokolade und Wein, Kunst und Antiquitäten verkauft werden. Daneben gibt es viele kleine Cafés, Weinstuben und stimmungsvolle Restaurants.

Besonders sehenswert:

Das Martinsmünster: Es steht zentral in der Stadt. Es wurde im 13.und 14.Jahrhundert im gotischen Stil erbaut und in den späteren Jahrhunderten mit Türmen im Renaissance-Stil erweitert.

Das Adolphshaus und die ehemalige Polizeiwache: Auf dem Place de la Cathédrale befindet sich das Adolphshaus aus dem 14.Jahrhundert und die ehemalige Polizeiwache aus dem 16.Jahrhundert. Ein Teil des Adolphaus, und zwar der untere Teil, gilt als eines der ältesten Bauwerke Colmars. Die gotischen Spitzbogenfenster zeigen den Einfluss der religiösen Kunst auf die Stadtarchitektur. Der Fachwerkgiebel und der 3.Stock wurden erst im 16.Jahrhundert hinzugefügt.

An der heutigen Stelle der ehemaligen Polizeiwache befand sich ursprünglich im 13.Jahrhundert eine Kapelle mit einem Friedhof. Dieser wurde im 16.Jahrhundert abgeschafft, nachdem das kaiserliche Edikt Friedhöfe in bebauten Gebieten verboten hatte. Auf der Rückwand des Gebäudes kann man immer noch die Bögen dieser Kapelle erkennen. Das Wachhaus wurde zu Beginn des 16.Jahrhunderts erbaut. Besonders bemerkenswert ist sein Portal. Das Gebäude diente auch zu Handelszwecken und beherbergte auch einen Markt für Nüsse und Ölsaaten. Ab dem 19.Jahrhundert war es Polizeistation.

Die Rue des Marchands: Eine Strasse mit vielen bemerkenswerten Häuser, worunter viele 500 Jahre und älter sind. Eines davon ist das Maison Pfister. Es stammt aus der Renaissance. Sein Erdgeschoss wurde aus Stein und die weiteren zwei Stockwerke aus Holz errichtet. Das Haus ist mit wunderschöner Wandmalerei dekoriert, die biblische Szenen und Portraits deutscher Kaiser darstellen. Gleich neben dem Pfisterhaus befindet sich ein grünes Fachwerkhaus, «das Haus zum Kragen». Es ist für eine geschnitzte Holzfigur im Renaissancestil bekannt, die einen bärtigen Mann darstellt. Schräg gegenüber dem Haus zum Kragen befindet sich das Museum Batholdi. (www.musee-bartholdi.fr) Der Künstler Auguste Bartholdi, der Künstler der Freiheitsstatue wurde 1834 in Colmar geboren. Das Museum befindet sich in dem Haus, in dem er geboren wurde. In der Ausstellung werden persönliche Gegenstände, Zeichnungen, Modelle und Gemälde präsentiert.

Colmar ist reich an Museen. Hier einige:

Das Unterlinden Museum: Place Unterlinden (Sammlungen und Gemälde der Rheinischen Kunst darunter der Isenheimer Altar von Matthias Grünewald. www.musee-unterlinden.com

Das Naturwissenschaftliche Museum: Rue Turenne (Eine zoologische, geologische und ethnographische Sammlung der Region und anderer Kontinente) www.museumcolmar.org

Das Spielzeugmuseum: Rue Vauban www.museejouet.com

Hansi Museum: Rue des Têtes (« Hansi Aquarelle, Werbeplakate, Kindheitszeichnungen von Jacques Waltz) www.hansi.fr

Schokoladenmuseum: Place de la Cathédrale (Interaktiver und eindringlicher Besuch mit unterhaltsamen, lehrreichen Angeboten, einschliesslich Verkostungen) www.choco-story-colmar.fr

Zentrum für Moderne Kunst André Malraux: (lokale, regionale, internationale Kunst) www.colmar.fr/espace-malraux

Der Schwendi-Brunnen: Auf dem Place de l’Ancienne Douane. Er wurde Ende 19.Jahrhundert von Auguste Bartholdi geschaffen und zeigt Lazare de Schwendi, einen ehemaligen französischen General. Der Legende nach hat Schwendi nach einer militärischen Mission die ersten Tokajer Weinreben aus Ungarn mitgebracht und förderte dadurch den Weinbau der Region. Dieser Brunnen ist eine Nachbildung, da der ursprüngliche Brunnen 1940 im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

Die Markthalle von Colmar: Die Rue des Tanneurs, eine Pflasterstrasse, führt vom Schwendi Brunnen zur überdachten Markthalle. Das aus Ziegeln gebaute Hallengebäude stammt aus dem späten 19.Jahrhundert. Die Verkaufsstände bieten Käsesorten, Obst, Gemüse, Backwaren, Fleisch, Wein und viele lokale Spezialitäten an.

Ein Muss ist das kleine Restaurant auf einer Balustrade der Markthalle über die Lauch. Der Flammkuchen (verschiedenste Variationen) und ein Glas Gewürztraminer sind himmlisch! Dazu begrüssen dich die Fische im glasklaren Flusswasser!

Im Anschluss bietet sich ein Spaziergang über den Quai de Poissoniers. Das Viertel trägt den wohlverdienten Namen «Petit Venice». Hier ist der meist fotografierteste Teil der Stadt mit Fachwerkhäusern in prächtigen Farben, die im Mittelalter alle eine bestimmte Bedeutung hatten. Es war das alte Kaufmannsviertel, in dem Gerber, Metzger und Fischhändler lebten und an der Hausfarbe sofort erkennbar waren. Hier kann man auch eine Bootsfahrt unternehmen: Die flachen breite Boote fahren vom Restaurant Le Caveau Saint-Pierre ab. Die Fahrt dauert ca. 30 Minuten. Achtung, Köpfe ducken, wenn es die Brücken passiert!