Santo Antão/ Porto Novo 27.10.22
7.30 Uhr: Nun sind wir auf den Kapverden angekommen! In der Nacht zuvor wurden die Uhren wieder um eine Stunde zurückgestellt. Das Schiff erreichte die Insel Santo Antão zum Sonnenaufgang und ankerte nahe der Pier des kleinen Inselhafens Porto Novo.



Santo Antão ist die zweitgrösste Insel der Kapverden. Sie trägt auch den Namen: Insel der Berge, der Winde und des Wassers. Meine Meinung: Zu Recht! Hohe Berge, ein ständiger Inselwind, der je höher man steigt immer heftiger wird und natürlich der Atlantik mit zum Teil hohen Wellen.




Die Insel lässt sich in drei Regionen einteilen: Der Nordosten ist vegetationsreich, da an den Bergen die Wolken abregnen. Hier im subtropischen Klima findet man eine reiche Vegetation, Fichten- und Kiefernwäldern, Dattel-Kokospalmen und viele tropische Obstbäume. Im Gebirge wird meist auf Terrassenfeldern Mais, Kaffee und Maniok angebaut.
Der Westen der Insel ist trockener und die Südküste, die ebenso trocken wie karg ist, die aber den grössten Ort besitzt, die Hafenstadt Porto Novo. Porto Novo ist eine quirlige Stadt mit ungefähr 9000 Einwohnern. Eine Hauptstrasse führt entlang ehemaliger Herrschaftshäuser, kleinen Märkten mit frischem Fisch, Ziegenkäse und Grogue (Rum). Die eigentliche Hauptstadt ist der kleinere Ort Ribeira Grande, der sich im Norden befindet.



Auf den Kapverden wird im Alltag als Umgangssprache Kreol gesprochen, das von Insel zu Insel verschieden ist (sein kann). Die Amtssprache ist portugiesisch. Sie wird auch in der Schule unterrichtet, aber nicht Kreol! Englisch und Französisch wird teils, meist wenig verstanden (unsere Erfahrung). Aber wir hatten dank unserer Übersetzer-App kaum Verständigungsprobleme.
Die Währung der Kapverden ist der Escudo. Wir hatten uns gleich in Porto Novo an einem ATM Bankautomat Escudos beschafft: Das war gut, da vor allem in den Dörfern mit Euros oder Dollars man nichts anfangen konnten.
An diesem Morgen schlug uns beim Betreten des Lidos, aber auch «düppige» Luft entgegen: Wir sind in den Tropen angekommen. Nach einem wunderbaren Frühstück machten wir uns für unsere Ausflüge bereit. Wir hatten zwei verschiedene Ausflüge gebucht, da ein Ausflug «auf eigene Faust» organisatorisch einen zu grossen Aufwand verursacht hätte: Die Infrastruktur Porto Novos ist sehr bescheiden.
Mein Ausflug ging mit einem Jeep in den grünen Inselnorden. Unsere Gruppe wurde mit einem Tenderboot an Land gebracht. Wir wurden auf Jeeps verteilt, etwas chaotisch, da die Begleitung der Gruppe, eine Angestellte der Hanseatic, meiner Meinung nach der Situation nicht gewachsen war. Eine Mitfahrerin bestand darauf auf der Ladefläche zu sitzen, ein Pärchen sass mit mir im Jeep, redete aber die gesamte Tour (etwa) sieben Stunden kein einziges Wort mit mir.


Als der Fahrwind stärker und die Wege immer holpriger wurden, kam die Ladefläche Fahrerin ebenfalls in den Innenraum, so dass es sehr sehr eng wurde! Wir fuhren von Porto Novo die alte, spektakuläre Passstrasse entlang der Küste um den Pico da Cruz herum mit fantastischen Ausblicken in tiefe Täler, Schluchten und auf den Atlantik. Die Strasse war nicht asphaltiert, sondern gepflastert und ich konnte unseren Fahrer nur bewundern, wie er die Schwierigkeiten meisterte.



Von Pont da Sol ganz im Norden der Insel führt eine Geröllstrasse nach Fontainhas. Fontainhas wurde von National Geographic als eines der malerischsten Dörfer weltweit bezeichnet. Die bunten Häuser des einsam gelegen Dorfes liegen malerisch an einem Berghang. Hier nahmen wir unsere Stärkung aus der Lunchbox ein, bevor es wieder zurück nach Ponta do Sol über eine holprige Bergstrasse ging.



Entlang der Küste erkundeten wir das Paul-Tal mit seinen landwirtschaftlichen Anbauflächen und erhielten reichhaltige Informationen über den Anbau verschiedenster Südfrüchte. Natürlich stand auch der Besuch einer alten Rum-Destillieranlage auf dem Programm.

Der englisch sprechende Guide gab sich Mühe, aber im Vergleich zu unserer Führerin Joanna aus El Hierro war er nur Mittelklasse.







Zum Abschluss der Fahrt erstand ich noch einen kleinen Strohhut, der mich von nun an die ganze Reise begleitete. Die Rückfahrt nach Porto Novo erfolgte über die neue Asphaltstrasse, so dass wir bequem den letzten Tender zum Schiff um 17.00 Uhr erreichten. Nach fast 8 Stunden war ich froh wieder an Bord zu kommen!
Urs erreichte das Schiff via Tender etwas später und war begeistert von seinem Ausflug mit dem Jeep den «Wilden Westen» erkunden. Beim Abendessen erzählte er von seinen «Abenteuern».

Wie oben erwähnt ist der Westen der Insel sonnig und trocken. Er ist weniger erschlossen als der Osten. Aus diesem Grund sind Allrad-Geländewagen (die Alternative dazu ist per pedes) die einzige Möglichkeit ins Innere der Insel vorzudringen. Von Porto Novo ging es mit den Jeeps ins vulkanische Gebirge vorbei an malerischen Orten wie Lajedo, Ribeira dos Patas nach Cha do Norte.






Grandiose Ausblicke über Canyons, dann in Cha de Norte an der Nordküste der Insel die Sicht auf schroffe Klippen und den Atlantik. Die Fahrt war anstrengend und für Leute mit Rückenproblemen überhaupt nicht geeignet. Am Nachmittag nahm man den Weg wieder zurück ins Landesinnere, man fuhr auf ein vulkanisches Plateau, das auf 1600m über dem Meeresspiegel lag. Hier fand ein Picknick mit den mitgebrachten Lunchboxes statt und zum Dessert gab es dann noch einen Blick auf den höchsten Berg der Insel, den Tope de Corona mit fast 2000 m Höhe, der zuvor behangen war. Bei der Rückfahrt nach Porto Novo war die Sicht sehr klar und man konnte in der Ferne die Nachbarinsel Sao Vicente erkennen, unser Ziel für den nächsten Tag.

Bevor die Anker gelichtet wurden, liessen wir uns noch einmal von den verschiedenen Grüntönen der Gebirgswelt Sao Antão beim Vorbeifahren auf Deck 9 verzaubern. Vor dem Abendessen wurden wir zum Club Cocktail des Hapag-Lloyd Cruises Club eingeladen und direkt im Anschluss gab es von unserer Expertin Dr. Steinhoff einige Infos zu Mindelo, der Hafenstadt auf Sao Vicente, die wir nun anliefen.